Die schweren Unruhen in Ägypten sind an diesem Freitag auch Thema auf dem EU-Gipfel in Brüssel. Laut dem Entwurf der Abschlusserklärung wollen die Staats- und Regierungschefs einen "raschen und geordneten Übergang" in Ägypten fordern. Weitere Gewalt müsse unbedingt vermieden werden.

"Jeder Versuch, den freien Fluss von Informationen zu behindern, inklusive Aggressionen und Einschüchterungen gegen Journalisten, ist nicht hinnehmbar", heißt es laut Vorabmeldungen in dem Dokument. Daraus geht auch hervor, dass die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bald nach Ägypten und Tunesien reisen will. Die EU versichert, auf dem Weg zu mehr Demokratie zu helfen, beispielsweise bei der Vorbereitung von freien Wahlen. Zu Staatspräsident Hosni Mubarak will sich die Union nicht explizit äußern.

Themen des Sondertreffens sind daneben auch die Energiepolitik und die Debatte über eine Verstärkung des Euro-Rettungsschirms sowie die künftige Abstimmung der Wirtschaftspolitik im Euro-Raum. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen hierzu erste Ideen vorstellen. "Wenn wir das tun, wird das ein wichtiges Signal sein", hatte Merkel nach einem Treffen mit Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero gesagt. Es gehe um gemeinsame Schritte bei Sozialsystemen, Lohnstückkosten, der Bemessungsgrundlage für Unternehmenssteuern und der Erhöhung des Renteneintrittsalters.

In den Einzelheiten gibt es aber offenbar noch Gesprächsbedarf. So forderte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann die Bundesregierung bei ihren Vorschlägen zur Zurückhaltung auf. "Was sicher nicht meine Zustimmung findet, ist, dass seitens der EU in Tarifverhandlungen oder in die Sozialpartnerschaft eingegriffen wird", sagte er der Zeitung Die Welt. Dagegen unterstütze er jede Initiative, die sich in Europa für weitergehende Kooperationen bei Bildung, Forschung und sozialem Ausgleich einsetze.

Beschlüsse werden dazu an diesem Freitag ohnehin nicht erwartet. Diese sind erst für den nächsten Gipfel Ende März vorgesehen oder bei einem möglichen Sondertreffen der Euro-Länder Anfang des Monats. Dennoch heißt es in dem Entwurf der Abschlusserklärung, die EU werde das Vorhaben aufnehmen und weiterverfolgen. "Nicht-Euro-Länder sollen eingeladen werden, bei dieser Zusammenarbeit teilzunehmen." Der ständige Gipfelchef Herman Van Rompuy soll die weiteren Arbeiten leiten.

Geplant ist auch eine Debatte über die Energiesicherheit. Die Netze für Gas und Strom sollen in der EU besser verbunden werden. Damit will die EU auch besser auf Krisen reagieren können. Ein zentrales Vorhaben ist es, unabhängiger von russischen Energielieferungen zu werden. Die Union bezieht rund ein Viertel ihrer Gaslieferungen aus Russland.

Der Gipfel ist auch eine entscheidende Wegmarke für die Arbeit des deutschen EU-Energiekommissars Günther Oettinger. Er hofft auf Rückenwind der Mitgliedsstaaten für den notwendigen milliardenschweren Ausbau der Energienetze in Europa. Oettinger will den Staats- und Regierungschefs außerdem ins Gewissen reden: Die EU komme beim Energiesparen nicht schnell genug voran, zudem würden einige Länder den gemeinsamen Energiemarkt noch immer torpedieren.