Die in Iran inhaftierten deutschen Reporter sind nach mehr als viermonatiger Haft frei. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin: "Die beiden deutschen Staatsangehörigen befinden sich zur Stunde in Tabris in Begleitung deutscher Konsularbeamter. "Wir hoffen, sie noch heute in die Obhut der deutschen Botschaft in Teheran zu bekommen." Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) flog noch am Samstagabend nach Teheran, um die beiden Bild am Sonntag-Reporter mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen. Auf seinem Programm in Teheran standen aber auch Gespräche mit der iranischen Führung, unter anderem mit Außenminister Ali Akbar Salehi.

Die ursprüngliche Gefängnisstrafe von 20 Monaten sei in ein Bußgeld von jeweils 500 Millionen Rial (umgerechnet rund 36.500 Euro) umgewandelt worden, meldete die iranische Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf Justizbehörden. Die Urteile seien wegen "Vergehen gegen die nationale Sicherheit" ergangen. Die Justiz habe "islamische Güte" gezeigt und die beiden gegen ein Bußgeld freigesprochen, berichtete die Agentur. Es wird erwartet, dass die Journalisten nach ihrer Ankunft in Teheran mit der nächsten Maschine nach Deutschland geschickt werden.

Die beiden Journalisten, Marcus Hellwig und Jens Koch, waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Tabris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen, die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden war. Den Deutschen wird ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen.

Verwandte der beiden Journalisten hatten einem Bericht des Spiegel zufolge bei der iranischen Regierung um Gnade für die Männer gebeten. Die Schwestern der Reporter sagten dem Magazin mit Blick auf den Beginn des iranischen Neujahrsfestes Nowrus am 21. März: "Im Vorfeld dieses Feiertags wurden in den vergangenen Jahren viele Häftlinge begnadigt. Wir bitten die Führung in Teheran daher um Gnade auch für Marcus und Jens."

Nach Angaben des Spiegel wurde das Gnadengesuch vom Auswärtigen Amt unterstützt, wo die Angehörigen am Donnerstag zusammengekommen seien. Ihr Vorstoß sei "ernst genommen" worden und werde auf diplomatischen Kanälen weitergeleitet. Besondere Hoffnung setzen die Angehörigen jetzt auf Außenminister Westerwelle.