Revolutionen unterscheiden sich in ihrer Entstehung und in ihren Zielen. Während die eine Revolution eine umfassende Neuordnung des Systems zum Ziel hat, wie zum Beispiel eine gerechtere Gesellschaft, so zielen andere Revolutionen einzig darauf ab, das Regime zu stürzen.

Spannungen zwischen den sozialen Schichten – den einen fehlt es an nichts, den anderen an allem – sind oft der Ursprung einer Revolution. Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung ist entscheidend. In Tunesien beispielsweise mag die rasant ansteigende Zahl der Arbeitslosen dazu geführt haben, dass die Menschen auf die Straße gingen. Revolutionäre Bewegungen sind besonders wahrscheinlich, wenn der Staat geschwächt ist und nur unzureichend auf die Forderungen der Bürger eingeht.

Der Staat kann darüber hinaus zum Entstehen einer revolutionären Bewegung beitragen. Entweder durch Ausschluss oder durch Unterdrückung des Volkes. In Staaten mit repressiver Gewaltherrschaft sind die Bürger nicht nur geneigt radikalere Wege zu gehen, sie haben darüber hinaus das Gefühl, dass ihr Handeln gerechtfertigt ist.

Diktaturen, in denen sich alle Macht auf eine Person konzentriert, sind verletzlicher und können leichter gestürzt werden. Das zeigen mehrere Studien. Insbesondere jenen Diktatoren, die die gesellschaftliche Elite des Landes vom politischen Geschehen ausschließen und schwächen, fehlt es im Falle einer Revolution an Unterstützung.

Ein Blick in die Geschichtsbücher

Die Geschichte zeigt: Reagiert ein Regime mit weiteren Repressionen auf Proteste der Bevölkerung, so werden revolutionäre Bewegungen verstärkt. Wie im Fall der Verhaftung von Václav Havel durch die tschechoslowakische Regierung 1989 und deren gewaltsames Auftreten gegen die Demonstranten. Gewalt von oben weckt bei den Demonstranten ein Gefühl der Solidarität, insbesondere wenn ihr eigenes Handeln friedlich ist.

Die Revolution von 1989 hat uns gelehrt, dass revolutionäre Bewegungen ansteckend sind. Ein Land sieht dem anderen beim Protestieren zu und reagiert. So schätzt die Bevölkerung eines autoritären Staates die Chancen einer Umwälzung höher ein, wenn sie sieht, dass im autoritären Nachbarstaat das Regime erfolgreich gestürzt wurde. Gleichermaßen schätzen sie Gefahren als niedrig ein, wenn den Demonstranten im Nachbarstaat wenig passiert.