Der Streit um die Beteiligung am Irakkrieg belastete das transatlantische Verhältnis schwer. Frankreich und Deutschland verweigerten dem Partner die Hilfe im Kampf gegen Diktator Saddam Hussein. Nicht zu Unrecht, wie sich später zeigte: Die amerikanische Darstellung, Irak sei eine nukleare Bedrohung, erwies sich als nicht haltbar. Doch die USA hatten eine Militäraktion angedroht und erwarteten Unterstützung.

In seinen Memoiren lastet Ex-Pentagonchef Donald Rumsfeld dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem französischen Ex-Präsidenten Jaques Chirac an, mit ihrer Verweigerung die Glaubwürdigkeit der Amerikaner untergraben zu haben. Dadurch hätten Schröder und Chirac dem irakischen Diktator "ein falsches Sicherheitsgefühl" vermittelt und letztendlich den Irakkrieg wahrscheinlicher gemacht, analysiert er in dem 815 Seiten starken Buch Known and Unknown.

Rumsfeld schreibt weiter, dass die deutsche und französische Position es Kritikern der USA leicht gemacht habe. Sie konnten behaupten, dass Europa gegen eine Militäraktion sei. Dabei habe eine "große Mehrheit" europäischer Länder die USA unterstützt. Rumsfeld verteidigt die Entscheidung für den Irak-Feldzug ohne Wenn und Aber, räumt allerdings ein, dass in der Anfangsphase ein größeres Truppenaufgebot möglicherweise besser gewesen wäre.

Letztlich war Rumsfeld selbst ein Opfer des Irakkriegs und seiner fehlenden Popularität geworden: US-Präsident Bush feuerte ihn Ende 2006 – nachdem die Republikaner bei der Kongresswahl eine verheerende Niederlage erlitten. Der Rauswurf war auch eine Quittung dafür, dass der forsche Verteidigungsminister die Ausgangsbedingungen für den Feldzug so falsch einschätzte.

In seinem Buch erwähnt er auch seine Einstufung der beiden Partner als Altes Europa. Mit der Bemerkung wollte Rumsfeld darauf hinweisen, dass die Deutschen und Franzosen in Sachen Irakkrieg nicht für den gesamten europäischen Kontinent sprächen. Der Begriff sorgte für Befremden und verstärkte die transatlantischen Spannungen zusätzlich.

"Ironischerweise war mein Kommentar unbeabsichtigt", schreibt Rumsfeld. Er habe eigentlich sagen wollen, dass Frankreich und Deutschland die "alte Nato" repräsentierten. Nun sei aber das "alte Europa" zum populären Begriff geworden, stellte er befriedigt fest. "Der Teil der Amerikaner, die es bevorzugten, Pommes Frites (french fries) als Freiheitsfritten (freedom fries) zu bezeichnen, liebte ihn." Die Eliten in Paris und Berlin, "die sich selbst als Beschützer einer hoch entwickelten neuen Weltordnung betrachteten, taten es nicht", sagte der Ex-Minister. "Alles in allem hat mich der Aufruhr amüsiert."

In den Memoiren äußert sich Rumsfeld auch wenig schmeichelhaft über damalige US-Regierungskollegen wie Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Powell, der sich später vom Irakkrieg distanzierte, habe sich in internen Sitzungen nie gegen den Krieg ausgesprochen: "Es ist in den Medien viel zu lesen, dass Colin Powell dagegen war", sagte Rumsfeld süffisant dem Sender ABC. "Davon habe ich aber nicht das Geringste gemerkt." Rice bescheinigt der Ex-Pentagonchef in dem Buch volle Loyalität, aber dafür Inkompetenz und schlechte Organisation.