Roberto Saviano, der mit seinem Bestseller "Gomorrha" über die Praktiken der neapolitanischen Camorra bekannt wurde, hält die italienische Mafia weiterhin für ausgesprochen stark. Auch die Reihe polizeilicher Erfolge in jüngster Zeit ändere daran nichts: "Wir sind noch weit davon entfernt, diese kriminellen Organisationen zu bekämpfen, die immer mehr auch auf europäischer und internationaler Ebene an Bedeutung gewinnen."

Deutschland ist nach Einschätzung von Saviano neben Spanien das EU-Land mit der dichtesten Mafia-Präsenz nach Italien. Gerade in Ostdeutschland habe die Mafia seit dem Fall der Mauer erhebliche Summen in scheinbar legale Geschäftsfelder investiert. 

Ich habe das Gefühl, dass wir ein wenig auf dem gleichen Weg sind.
Roberto Saviano über Wikileaks

Mit Blick auf Wikileaks sieht Saviano Parallelen zu seiner Arbeit als investigativer Autor.  Allerdings sei Julian Assange noch einen Schritt weitergegangen, was die Offenlegung von Machtstrukturen angehe. Das Erzählen durch Dokumente, wie es Wikileaks demonstriere, sei "wunderschön". Angst vor Wikileaks habe die Mafia derzeit zwar nicht. Dies könne sich aber ändern, wenn die Organisation, wie angekündigt, auch Transaktionen von Schweizer Banken und Daten von Steuerhinterziehern publiziere.

 Angesprochen auf seine persönlichen Träume für die kommenden Jahre, sieht sich Saviano in seiner Heimat Italien leben, "als freier Mensch zusammen mit meiner Familie". Im Moment sei für ihn Freiheit aber nur in einem anderen Land vorstellbar falls ihn überhaupt eines aufnehmen wolle. Er sei eine "unbequeme Persönlichkeit", schon allein aufgrund der hohen Kosten für seinen Personenschutz. Mit Blick auf Italiens umstrittenen Regierungschef Silvio Berlusconi zeigt sich Saviano überzeugt, dass dieser in einigen Jahren nicht mehr im Amt sein wird. Er hoffe allerdings darauf, dass dann "nichts Schlimmeres an seine Stelle" treten werde, so Saviano weiter.