Der tunesische Außenminister Ahmed Ounaïes und seine französische Amtskollegin Michèle Alliot-Marie in Paris © Emma Foster/dpa
Der tunesische Außenminister Ahmed Ounaïes hat seinen Rücktritt erklärt. Damit muss in der Übergangsregierung des Landes zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen das Amt des Außenministers neu besetzt werden. Grund für den Rücktritt des 75-jährigen Chefdiplomat Ounaïes, der erst vor zwei Wochen das Amt angetreten hatte, könnten allzu freundliche Worte gegenüber seiner französischen Amtskollegin Michèle Alliot-Marie sein.

Alliot-Marie ist bei vielen Tunesiern äußerst unbeliebt, weil sie Ex-Präsident Sein al-Abidin Ben Ali noch kurz vor dessen Sturz Unterstützung für die Polizei angeboten hatte. Sicherheitskräfte hatten da schon mehrere Regimegegner bei Demonstrationen erschossen. Ounaïes hatte nach einem Besuch in Frankreich am 4. Februar gesagt, mit dem Treffen mit Alliot-Marie sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen. Ounaïes bezeichnete Alliot-Marie als "Freundin Tunesiens". In Frankreich hatte Alliot-Marie zudem für Schlagzeilen gesorgt, weil sie sich während eines Tunesien-Urlaubs im Dezember von einem Geschäftsmann aus dem Umfeld des gestürzten Diktators zu einem Flug im Privatjet einladen ließ.

Diplomatenkreisen zufolge hatte Ounaïes seinen Posten wegen heftiger Kritik nach seinem Frankreich-Besuch bereits in der vergangenen Woche nicht mehr ausgeübt. Seine Mitarbeiter warfen Ounaïes laut Diplomaten vor, ein "Revolutionsverweigerer" zu sein. Ounaïes habe daraufhin sein Büro geräumt.