In Jemen weiten sich die Proteste gegen die Regierung aus. Bei einer Demonstration gegen Präsident Ali Abdullah Salih sind in der Stadt Tais mindestens 25 Menschen durch eine Granate verletzt worden. Unbekannte hätten den Sprengsatz mitten in die Menge geworfen, die sich im Zentrum der Stadt versammelt habe, sagten Augenzeugen. Auch in anderen Städten des Landes wurden mehrere Menschen bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der Führung verletzt. In der Hauptstadt Sanaa griffen regierungstreue Demonstranten Kritiker mit Knüppeln, Stöcken und Äxten an. Mindestens vier Menschen wurden verletzt.

In der südlichen Stadt Aden, wo am Donnerstagabend drei Menschen bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und regierungskritischen Demonstranten ums Leben gekommen waren, wurden bei neuen Unruhen mindestens vier Menschen verletzt. Seit Mittwoch starben in Aden fünf Menschen. Auch in Mukalla im Südosten Jemens wurden drei Demonstranten durch Schüsse verletzt, als Zeugen zufolge die Sicherheitskräfte eine Kundgebung gewaltsam auflösten.

Mehrere Tausend Oppositionelle hatten sich auf dem seit Tagen besetzten Freiheits-Platz in Tais rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa versammelt. In Erwartung möglicher Auseinandersetzungen errichteten die Regierungsgegner Erste-Hilfe- und Verpflegungszelte. Außerdem wurden Gruppen zusammengestellt, die Befürwortern des Präsidenten den Zugang zu dem Platz verwehren sollten.

Rund Zehntausend regierungstreue Demonstranten sollen an anderen Stellen der Stadt zusammengeströmt sein. Sie riefen: "Ja zu Einheit und Stabilität, Nein zu Chaos und Sabotage." Das staatliche Fernsehen sprach von einer Million Unterstützern der Regierung, die sich in der vier Millionen Einwohner zählenden Stadt versammelt haben sollen.

In Jemen versuchen Oppositionsgruppen wie in anderen arabischen Ländern nach ägyptischem Vorbild die autokratischen Regierungen zu stürzen. Sie wollen die seit 32 Jahren andauernde Herrschaft von Präsident Salih über das arme Land beenden. Um seine Gegner zu besänftigen, hat Salih bereits zugesagt, 2013 nach Ende seiner Amtszeit auf eine weitere Kandidatur zu verzichten. Außerdem will er nicht mehr seinen Sohn als Nachfolger installieren. Salih ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Extremisten-Organisation al-Qaida.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen die Staaten im Nahen und Mittleren Osten aufgefordert, auf Gewalt gegen Demonstranten zu verzichten. In einem Telefonat mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin-Zayed al Nahyan, habe Merkel ihre große Sorge über die Ereignisse in der Region zum Ausdruck gebracht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Ausübung der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit sei ein universelles Recht, habe die Kanzlerin betont. Die Regierungen seien aufgefordert, nicht nur auf Gewalt zu verzichten, "sondern aktiv die Bürger bei der Ausübung ihrer Rechte zu schützen und nicht zu behindern".

In Kairo versammelten sich unterdessen Tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz im Zentrum zu einem "Freitag des Sieges". Eine Woche nach dem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak folgten sie einem Aufruf der Demokratiebewegung. Augenzeugen berichteten von einer entspannten und fröhlichen Stimmung.

"Wir wollen den Druck auf das Militär aufrechterhalten", sagte ein Aktivist. Seit dem Rücktritt Mubaraks regiert in Ägypten das Oberkommando der Streitkräfte. Mehrere ehemalige Minister wurden festgenommen, darunter Ex-Innenminister Habib al-Adli, und sitzen nun in Untersuchungshaft.