Es ist ein erklärtes Ziel der westlichen Interventionsmächte, die Opposition gegen Libyens Diktator Muammar al-Gadhafi zu unterstützen. Doch wer ist diese Opposition? Wem hilft der Westen da? Während vor allem Europa das Gadhafi-Regime in den vergangenen Jahren politisch wie wirtschaftlich hofierte – Italien und Frankreich taten sich da besonders hervor –, ist über Oppositionelle im Land wenig bekannt. Das änderte sich erst am 21. Februar, als der ehemalige Richter Mustafa Abdel Jalil von seinem Amt als Justizminister zurücktrat und am 26. März erklärte, eine Art Übergangsregierung organisieren zu wollen. Daraufhin setzte Gadhafi Anfang März ein hohes Kopfgeld auf den Abtrünnigen aus. Als Minister hatte Jalil bereits die Abneigung des Diktators auf sich gezogen, da er sich öffentlich für politische Gefangene eingesetzt hatte.

Jalil stammt aus dem Osten Libyens (aus der Stadt Al Baida) und ist jetzt Vorsitzender des am 6. März in Bengasi eingesetzten, 31 Mitglieder starken Nationalen Übergangsrates. Er verbrachte die vergangenen Wochen damit, durch die Städte und Dörfer Ost-Libyens zu reisen, um Unterstützung für seine Führerschaft zu bekommen. Unter allen Oppositionellen gilt er aufgrund seiner bereits vor den Unruhen geäußerten Kritik am Regime als derjenige mit der höchsten Glaubwürdigkeit.

Gleichfalls ein Abtrünniger der Gadhafi-Regierung ist Abdel Fatah Junis, der Generalstabschef der Oppositionstruppen. Unter Gadhafi war er Innenminister und zeitweilig galt er gar als Nummer 2 im Staat. Bereits 1969 hatte der heute 67-Jährige den jungen Gadhafi bei der Machtübernahme in Bengasi unterstützt. Weil er mehr als 40 Jahre lang dem Diktator die Stange gehalten hatte, wird er von vielen Rebellen misstrauisch beäugt. Zudem soll er für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sein.

Offiziell ist er kein Mitglied des Nationalen Übergangsrates, doch weil er die Rebellenmilizen der ostlibyschen Städte zu einer Oppositionsarmee zusammenführen soll, hat er Macht. Laut dem US-Thinktank Stratfor gilt dabei unter den Oppositionsmilizen der am 28. Februar gegründete "Militärrat von Bengasi" als der angesehenste. Junis ist zudem derjenige, der mit der Einsatzleitung der Interventionsmächte spricht.

Ein direkter Konkurrent von Mustafa Abdel Jalil ist Abdul Ghoga, der den Nationalen Übergangsrat mit anführt und sich heute als Sprecher der Rebellenregierung bezeichnet. Er genießt wie Jalil Ansehen als unabhängiger Kopf und hatte sich als Rechtsanwalt aus Bengasi bereits einen Namen als Vorsitzender der Anwaltskammer und Verteidiger politischer Gefangener gemacht. Er gilt als einer der Urheber der libyschen Aufstände, nachdem er Anfang Februar nach einem unergiebigen Gespräch mit Gadhafi über die Unruhen im Volk mit anderen überlegt hatte, den 17. Februar zum "Tag des Zorns" auszurufen.

Doch Ghoga ist nicht unumstritten. Er soll mit dem Gadhafi-Sohn Saif al-Islam näher bekannt gewesen sein. Und er wehrte sich auch gleich gegen das Auftreten Jalils: Nachdem dieser Ende Februar seinen Anspruch auf die Leitung der Opposition angemeldet hatte, verhöhnte Ghoga ihn als Mann, der nur in Al Baida – Jalils Heimatstadt – Einfluss habe.