Mit strahlendem Lächeln grüßt der Polizist und winkt mit eleganter Handbewegung die Autofahrer durch den Kreisverkehr. "Ein Glück!", seufzt der Taxifahrer Karim al-Kusch: "Endlich ist die Polizei wieder da! Hoffentlich hat das Chaos endlich ein Ende." Im Vorbeifahren kurbelt er das Fenster herunter und schüttelt dem Polizisten die Hand.

Ägypten hat seit gestern eine neue Regierung und auch einen neuen Innenminister : Mansur al-Essawi, Offizier der Armee und ehemaliger Gouverneur von Minya hat zum Amtsantritt seinen Landsleuten versprochen, dass die Polizei so bald wie möglich wieder zum Einsatz kommen soll. Während der Revolution hatten sich die Beamten zurückgezogen.

Zwar bemüht sich die Armee, die seitdem für die Sicherheit auf Ägyptens Straßen zuständig ist, Plünderbanden zu fassen. Doch häufen sich Berichte von nächtlichen Überfällen und Entführungen. Da Ägypten bisher als extrem sicheres Land galt, trifft diese Entwicklung die Menschen am Nil besonders. Die Neuorganisation der Polizei hat deshalb höchste Priorität für die neue Regierung unter Premier Essam Scharaf, die am Montag vor dem Chef des Hohen Rates des Militärs, General Hussein al-Tantawi, vereidigt wurde.

Einfach wird die Aufgabe nicht, denn nicht überall wird die Polizei so freundlich aufgenommen wie am Kreisverkehr des Kairoer Vorortes Maadi. Das liegt nicht nur daran, dass die Polizei die Bürger während der Revolution im Stich ließ und sich viele der Polizisten zudem in Zivil an Plünderungen und Übergriffen beteiligt haben sollen.

"Viele Ägypter haben schon seit Langem einen Hass auf die Polizei, und das ist kein Wunder. Sie sind von ihnen geschlagen und gefoltert worden", sagt Ahmed Hanafi. Er gehört zu den Vertretern der Jugendlichen der Revolution . In einem Hotel trifft sich zum dritten Mal die Ägyptische Initiative für den Dialog. Rund 40 angesehene Journalisten, Richter, Professoren sitzen hier mit den Jugendlichen zusammen und entwickeln Vorschläge für die Regierung. Beispielsweise zum Thema Sicherheit: "Die Polizei ist so korrupt und brutal, dass man sie nicht wieder auf die Menschen loslassen kann", fasst Hanafi zusammen. Er schlägt vor, den Jugendlichen, die sich in den ersten Nächten der Revolution als Bürgerwehren formiert und die Bewachung ihrer Stadtviertel übernommen haben, die Aufgabe der Sicherheit zu übertragen.

"Das ist doch Wahnsinn!", widerspricht eine der älteren Journalistinnen: "Diese Jugendlichen sollen studieren und arbeiten, und zudem wollen wir ihnen auf gar keinen Fall Waffen geben. Das ist doch viel zu riskant", sagt sie. Sie plädiert dafür, dass man die Polizei säubert und die Verantwortlichen für Verbrechen vor Gericht bringt. 

Die ersten Schritte in diese Richtung sind schon getan: Es waren Szenen wie 1989 in Ost-Berlin und anderen Städten in der sich auflösenden DDR. Videos auf YouTube zeigen Demonstranten , die vor Freude und Empörung schreiend durch die Räume der Staatssicherheit in Nasr City, einem Stadtteil von Kairo, rennen. Hier wurden viele Oppositionelle in den vergangenen Jahren ohne Gerichtsurteil gefangen gehalten. Hier wurde gefoltert und einige sahen jetzt zu ersten Mal die Zellen im Keller, in denen sie zuvor über Tage, Wochen und sogar Monate hinweg mit verbundenen Augen festgesetzt worden waren. Ein Mal drei Meter groß ist ihre Grundfläche.