In drei Provinzen und vier Städten Afghanistans sollen afghanische Sicherheitskräfte noch in diesem Jahr die Kontrolle übernehmen. Unter anderem werden sie für die Sicherheit in Masar-i-Scharif im Norden des Landes zuständig sein, wo die Bundeswehr eines ihrer Hauptfeldlager hat. Auch für einen Großteil der Provinz Kabul sowie in den vergleichsweise ruhigen Provinzen Pantschir und Bamijan werde die "volle Verantwortung für die Sicherheit" von den Nato-Soldaten auf die eigenen Streitkräfte übergehen, kündigte Präsident Hamid Karsai an.

Auch die lange als Taliban-Hochburg geltende Stadt Laschkar Gah in der südlichen Unruheprovinz Helmand geht an die Einheimischen. Der afghanische Präsident nannte zudem die westafghanische Stadt Herat und Teile der Provinz Laghman als Bereiche, die als erstes unter die Kontrolle heimischer Sicherheitskräfte kommen sollen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte, dass Masar-i-Scharif zu den ersten Gebieten gehört. "Zum ersten Mal in zehn Jahren werden die in den Übergabeprovinzen lebenden Afghanen für ihre Sicherheit selbst verantwortlich sein. Dies ist ein wichtiger Einschnitt", so Westerwelle. Der Beginn des Übergabeprozesses sei ein Erfolg für die von Deutschland mitbetriebene Neuausrichtung des internationalen Afghanistan-Einsatzes, sagte Westerwelle. Ziel bleibe es, "dass bis Ende 2014 die vollständige Übergabe der Sicherheitsverantwortung gelingt und wir Ende 2011 erstmals unser eigenes Bundeswehr-Kontingent reduzieren können".

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen dämpfte aber Hoffnungen auf einen baldigen Abzug der internationalen Soldaten. Er verstehe, dass die Politiker unter Druck stünden, ihre Soldaten dauerhaft heimzubringen. Es sei jedoch jetzt entscheidend, "Solidarität und Kontinuität" zu gewährleisten, damit die Übergabe der Sicherheitsverantwortung dauerhaft funktionieren könne.

Die Übernahme der Verantwortung durch die afghanischen Sicherheitskräfte sei eine neue Station auf dem Weg des Landes, "aber noch nicht das Endziel", sagte Rasmussen. Jeder weitere Schritt hänge von der weiteren Entwicklung ab.

Die Regierungen der Nato-Staaten sollten nun dafür sorgen, dass die Soldaten schrittweise vom Kampf zur Ausbildung wechseln. "Niemand möchte, dass unsere Soldaten einen Tag länger kämpfen als unbedingt nötig", hieß es in der Erklärung Rasmussens. "Wir sind entschlossen, kein Sicherheitsvakuum entstehen zu lassen, in dem Extremismus entstehen könnte."

Nach einer Vereinbarung der internationalen Gemeinschaft soll die Sicherheitsverantwortung bis Ende 2014 schrittweise an die afghanische Armee übergehen. Entsprechend können sich die Nato-geführten Truppen nach und nach zurückziehen.

Derzeit sind 140.000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert