Die Arabische Liga hat sich bei ihrem Krisentreffen zu Libyen für die Einrichtung einer Flugverbotszone über dem nordafrikanischen Land ausgesprochen. Die Außenminister der Organisation forderten den UN-Sicherheitsrat auf, "seiner Verantwortung gerecht zu werden und die notwendigen Maßnahmen zur sofortigen Einrichtung einer Flugverbotszone zu ergreifen". Diese solle weitere Angriffe der libyschen Luftwaffe auf die Aufständischen im Land verhindern.

Zugleich sprachen die Außenminister der Arabischen Liga der libyschen Führung um Muammar al-Gadhafi die Legitimität ab. Die Machthaber in Tripolis hätten "ihre Legitimität verloren", indem sie ihr eigenes Volk angegriffen hätten, hieß es in der Abschlusserklärung des Krisentreffens. Die Liga beschloss, nun mit dem libyschen Nationalrat – der politischen Vertretung der Aufständischen – in Verbindung zu treten. Mehrere arabische Staaten, darunter auch Ägypten, sollen bereits inoffiziell Kontakt aufgenommen haben. Damit solle geklärt werden, welche Pläne der Rat für die Zeit nach einer möglichen Entmachtung Gadhafis hat.

Der Beschluss zur Flugverbotszone wurde nicht von allen Mitgliedsstaaten der Liga getragen. Wie am Rande des Treffens bekannt wurde, unterstützten zwar die Außenminister aus maßgeblichen Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten die Vorlage. Die Vertreter Syriens, Algeriens, des Jemens und des Sudans – alles Länder mit Regimen, die selbst mit politischen Unruhen zu kämpfen haben – sollen jedoch nicht zugestimmt haben.

An den Gesprächen nahmen zwölf Außenminister der Arabischen Liga und andere Vertreter der 22 Mitgliedsländer teil. Trotz seines vorübergehenden Ausschlusses aus der Organisation schickte auch Libyen zwei Gesandte nach Kairo, die aber nicht an den Beratungen teilnehmen durften.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sorgte bereits im Vorfeld mit seiner Zustimmung zu einer Flugverbotszone für Aufsehen. Im Interview mit dem Spiegel  forderte der frühere ägyptische Außenminister mit einer Flugverbotszone den Gadhafi-Gegnern beizustehen. "Ich rede von einer humanitären Aktion. Es geht darum, mit einer Flugverbotszone dem libyschen Volk in seinem Freiheitskampf gegen ein zunehmend menschenverachtendes Regime beizustehen", sagte der oberste Funktionär der Arabischen Liga.

Die Bundesregierung äußerte sich bislang zurückhaltend zu dem Vorhaben. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief erneut zu Zurückhaltung bei Überlegungen für eventuelle militärische Eingriffe auf und forderte stattdessen Gespräche mit den Nachbarn Libyens. Es sei wichtig, den Eindruck zu vermeiden, dass es um einen "christlichen Kreuzzug gegen Menschen muslimischen Glaubens" gehe, sagte Westerwelle. Die EU will in den nächsten Tagen eine Erkundungsmission nach Libyen schicken.