Der Golf-Kooperationsrat hat mehr als Tausend saudi-arabische Soldaten in den Golfstaat Bahrain entsandt, um "die lokalen Sicherheitskräfte bei der Sicherung der öffentlichen Ordnung zu unterstützen". Eine Vorauseinheit landete auf dem Flughafen der Hauptstadt Manama. Bodentruppen überquerten in gepanzerten Fahrzeugen die 26 Kilometer lange König-Fahd-Brücke, die einzige Landverbindung zwischen den beiden Staaten.

In Bahrain sieht sich die Regierung von König Hamad bin Issa al-Chalifa seit Wochen heftigen Protesten der schiitischen Opposition ausgesetzt. Die Protestbewegung in dem rund eine Million Einwohner zählenden Königreich wird mehrheitlich von der schiitischen Bevölkerung getragen, die sich durch die sunnitische Herrscherdynastie benachteiligt sieht.

Am Wochenende hatten sich die Proteste verschärft. Bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten kam es am Sonntag zu einer der gewaltsamsten Konfrontationen seit dem Tod von sieben Demonstranten Ende Februar. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, zog sich später aber zurück. Zugleich konnten Demonstranten Polizeiabsperrungen überwinden und in der Nähe des Perlenplatzes, auf einer zum Finanzviertel führenden Hauptstraße, Barrikaden errichten.

Dies hat die Regierung im Manama offenbar alarmiert; sie bat die Nachbarländer um Eingreifen. Nach Angaben der regierungsnahen Zeitung Gulf Daily News sollen die ausländischen Soldaten wichtige Teile der Infrastruktur sichern und die Energie- und Trinkwasserversorgung gewährleisten. Zu ihren Aufgaben gehöre zudem der Schutz von Gebäuden der Finanzbranche. 

Die Opposition warnte, der Einsatz der ausländischen Soldaten komme einer "Kriegserklärung" und einer "Besetzung" gleich. "Das Volk von Bahrain ist der realen Gefahr eines Krieges gegen die Bürger Bahrains ohne Erklärung des Krieges ausgesetzt", hieß es seitens der sieben Oppositionsparteien. Sie riefen die internationale Gemeinschaft auf, ihre Verantwortung zu übernehmen und das Volk Bahrains vor einer Militärintervention zu beschützen. Zugleich erneuerte sie ihre Forderungen nach demokratischen Reformen und Maßnahmen gegen die Diskriminierung der Schiiten. Teile der Protestbewegung rufen zum Sturz der Herrscherfamilie auf.

Der 41-jährige Kronprinz Salman bin Hamad bin Isa al-Chalifa bot erneut einen nationalen Dialog für tief greifende Reformen an, die jedoch nicht zu Lasten der Sicherheit und Stabilität des Landes gehen dürften. Nach seinen Worten ist das Königshaus bereit, ein demokratisch gewähltes Parlament mit "vollen gesetzgeberischen Kompetenzen" zuzulassen, sowie stärker gegen Korruption und Diskriminierung vorzugehen. Bahrains Premierminister, der seit 1971 amtierende Scheich Chalifa bin Salman al-Chalifa, dagegen bezeichnete die Protestierer in einer Twitter-Botschaft als "mutwillige Gangster, die sich des Lebens anderer bemächtigen". Er und andere regimetreue Politiker forderten den König auf, für drei Monate das Kriegsrecht mit einer nächtlichen Ausgangssperre zu verhängen.

Der Golf-Kooperationsrat, dem neben Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Bahrain angehört, hatte dem Könighaus wiederholt seine Solidarität ausgesprochen. Am 10. März beschloss der Rat zudem die Schaffung eines Fonds von 20 Milliarden Dollar zur Unterstützung der Entwicklung in Bahrain und im Sultanat Oman.

Bahrain hat für den Persischen Golf eine hohe strategische Bedeutung, weil auf seinem Territorium der Stützpunkt der 5. US-Flotte liegt. Deren Marineverbände fungieren vor allem als militärisches Gegengewicht zu Iran. Saudi-Arabien fürchtet zudem, die Proteste könnten von den Erzrivalen des schiitischen Regimes in Teheran ausgenutzt werden.