Was Bildung in Entwicklungsländern bewirken kann, zeigen die Proteste in Nordafrika und der arabischen Welt in den vergangenen Wochen. Viele der jungen Männer und Frauen, die in Tunesien oder Ägypten auf die Straßen gingen, die alte Potentaten verjagten und Reformen erzwangen, gehören zur Bildungselite ihrer Länder.

Doch momentan gibt es in Nordafrika nicht einmal mehr für die Akademiker genügend Arbeitsplätze. Sie schlagen sich mit Aushilfsjobs durch – oder versuchen, in Europa ein besseres Auskommen zu erzielen. Die Bundesregierung hat für Nordafrika drei Hilfsfonds mit einem Gesamtvolumen von mehr als 30 Millionen Euro eingerichtet, einen, um die Berufsbildung zu fördern. Doch damit ist es nicht getan. Deutschland plant eine große Bildungsoffensive für die armen Länder und Schwellenstaaten.

Die meisten Partnerländer der deutschen Entwicklungspolitik – ob Afghanistan, Guatemala oder Pakistan – teilen ein Problem: Die Bildungsrate ihrer Bevölkerung ist miserabel. Die Bildungsrate ihrer Bevölkerung ist meist miserabel. Auch die weltweite Statistik klingt erschreckend: 759 Millionen Menschen weltweit können nicht lesen, schreiben und rechnen. Zwei Drittel davon sind Frauen. 72 Millionen Kinder besuchen in Entwicklungsländern keine Schule.

Das soll sich ändern, hat die Bundesregierung beschlossen. Das Kabinett hat den Kampf gegen Bildungsarmut zu einem der Schlüsselprojekte der Entwicklungspolitik erklärt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will mit einer neuen Bildungsstrategie den 58 Partnerländern der Bundesrepublik helfen, die Qualität der Schulen zu verbessern. Der Name der Initiative steht bereits fest: "Mehr Bildung. Mehr Wachstum. Mehr Gerechtigkeit". Wie die Strategie erfolgreich umgesetzt werden kann, darüber diskutiert das BMZ noch mit rund 200 deutschen und ausländischen Experten.

Entwicklungsminister Dirk Niebel stellte dazu am Dienstag in Berlin einen Entwurf des Programms "Mehr Bildung. Mehr Wachstum. Mehr Gerechtigkeit" auf einer internationalen Konferenz vor. Erstmals in der 50-jährigen Geschichte des BMZ arbeitet das Haus an einer ganzheitlichen Bildungsstrategie, die von der Grundschule, über berufliche Bildung bis zu Universitäten und Erwachsenenbildung, alle Bereiche abdeckt. In einer Art Town Hall Meeting sprach Niebel anschließend mit den Fachleuten. Ihm konnten Fragen gestellt werden, die Experten machten Anregungen und übten auch deutliche Kritik. Für sein Ministerium ist diese Art der Einbeziehung von Hilfsorganisationen, Universitäten, Stiftungen und unabhängigen Experten ein Experiment. Es sollen neue Formen der Kooperation und Methoden gefunden werden.

"Ich glaube, dass die neue Bildungsstrategie ein leuchtendes Vorbild ist", lobt Carol Bellamy, Vorsitzende der "Education for All Fast Track Initiative". Diese unabhängige Organisation kämpft dafür, dass die Milleniumsziele im Bereich der Bildung schneller erreicht werden. Bellamy, die lange Vorsitzende der Unicef war, kritisierte die großen Wirtschaftsnationen. "Bildung ist kein Thema, wenn die G 8 und die G 20 sich treffen. Das ist extrem kurzsichtig", sagt sie. Denn Entwicklungsländer stehen für 50 Prozent des Wirtschaftswachstums. Dort gibt es viele junge Leute mit kreativen Ideen. Ohne Bildung könnten sie ihre Talente nicht nutzen.