In Haiti sind 4,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stichwahl aufgerufen. Sie sollen entscheiden, welcher Präsidentschaftskandidat in dem krisengeschüttelten Land einen politischen Neubeginn einleiten soll.

Zur Wahl stehen die ehemalige First Lady Mirlande Manigat und der Sänger und Unterhaltungskünstler Michel Martelly. Sie sollen dem scheidenden Staatschef René Préval nachfolgen, der nach seiner zweiten Amtszeit nicht noch einmal antreten darf. Als Favorit für das höchste Staatsamt gilt Martelly, in den jüngsten Umfragen kam er auf rund 53 Prozent der Stimmen.

Bei der ersten Wahlrunde im November vergangenen Jahres landeten Manigat und Martelly unter den Erstplatzierten. Manigat lag in der Wählergunst zu diesem Zeitpunkt noch vor Martelly. Nach monatelangem Streit und Betrugsvorwürfen entschied die Wahlkommission im Februar, dass die beiden Kandidaten die Stichwahl bestreiten sollen. Wie schon vor der ersten Runde war auch der Wahlkampf in diesem Jahr von Gewalt begleitet.

Kurz vor der Wahl wurde der Rapper Wyclef Jean angeschossen. Er wurde durch einen Schuss in die Hand leicht verletzt, hieß es in lokalen Medienberichten. Jean ist ein enger Freund des Präsidentschaftskandidaten Martelly. Er hält sich in Haiti auf, um diesen beim Kampf um die Präsidentschaft zu unterstützen. In der vergangenen Woche wurden drei junge Männer ermordet, die für Manigat Plakate klebten.

Die Abstimmung wird von der Ankündigung des früheren Präsidenten Jean-Bertrand Aristide überschattet, in der Politik des Karibikstaates wieder eine Rolle spielen zu wollen. Der 2004 aus Haiti vertriebene Aristide war am Freitag aus dem südafrikanischen Exil zurückgekehrt und hatte die Wiederzulassung seiner geächteten Bewegung Fanmi Lavalas gefordert. Der 2004 entmachtete Aristide hat in Haiti insbesondere in der armen Bevölkerung zahlreiche fanatische Anhänger.
Das vorläufige Ergebnis der Wahl soll erst am 31. März bekannt gegeben werden, das Endergebnis am 16. April. Am ersten Wahlgang im November hatten sich nur 20 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt.