Nur wenige Augenblicke nach seiner Ankunft in Haiti hat Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide politische Forderungen gestellt. Auf dem Flughafen von Port-au-Prince forderte er, seine Partei Fanmi Lavalas dürfe nicht weiter aus dem politischen Leben des Landes ausgeschlossen werden.

"Der Ausschluss von Fanmi Lavalas ist der Ausschluss der Mehrheit", behauptete Aristide, der mit seiner Frau Mildred aus dem Exil in Südafrika zurückgekehrt ist. In seiner Ansprache sagte er, es sei notwendig, alle Haitianer in das gesellschaftliche Leben einzubinden. Deshalb müsse vor allem mehr für Erziehung und Bildung getan werden.

Aristides Rückkehr aus dem Exil wird von politischen Beobachtern kritisch gesehen. Am Sonntag findet in Haiti die zweite Runde der Präsidentenwahl statt, von der sich das noch immer vom Erdbeben gezeichnete Land einen politischen Neuanfang erhofft. Der Ex-Präsident hat insbesondere in der armen Bevölkerung noch zahlreiche Anhänger. Seine Anwesenheit dürfte die ohnehin gespannte Atmosphäre vor der Wahl verschärfen. Die USA und Frankreich hatten Aristide daher aufgefordert, nicht vor Sonntag nach Haiti zurückzukehren.

Sowohl Manigat als auch Martelly haben es als legitimes Recht Aristides bezeichnet, in sein Heimatland zurückzukehren. Der frühere katholische Priester Aristide wurde 1991 erster frei gewählter Präsident des Landes. Sieben Monate später wurde er gestürzt und im Jahr 2000 erneut gewählt. Seine zweite Amtszeit war geprägt von wirtschaftlicher Instabilität und Gewalt. In einem Aufstand wurde seine Regierung 2004 abgesetzt.

Vertraute Aristides erklärten, dieser wolle sich nach seiner Rückkehr aus der Politik heraushalten. Er beabsichtige aber, seine Erfahrung einzubringen, um Haiti bei der Erholung von den Folgen des Erdbebens zu unterstützen.