Die Lage in dem durch das Beben beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-1 rund 250 Kilometer nördlich von Tokyo ist weiter dramatisch. Die Strahlenbelastung habe erneut die zugelassene Höhe überschritten, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Durch das Erdbeben und den Tsunami war es dort zu einem Ausfall der Stromversorgung gekommen. Die Folge: Die Brennstäbe konnten nicht mehr ausreichend gekühlt werden, den Pumpen fehlte Strom zum Wälzen des Kühlwassers.

Am Samstag waren Teile des Werks dann explodiert, das Gebäude rund um Block 1 wurde zerstört. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) wurde der Schutzmantel des Reaktors aber nicht beschädigt.

Die japanische Atomsicherheitsbehörde geht jedoch davon aus, dass es im Reaktor 1 wahrscheinlich schon zu einer hochgefährlichen Kernschmelze gekommen ist. Auch der Nuklearexperte Wolfgang Renneberg sagte, dass eine Kernschmelze im AKW Fukushima "sehr sicher" zu sein scheint. "Das geht erstens hervor aus den Verlautbarungen der Atomaufsichtsbehörde dort, die ja auch nicht dementiert worden ist. Auf der anderen Seite ergibt sich das aus den gemessenen radioaktiven Belastungen außerhalb der Anlage", sagte Renneberg. Die Belastungen seien nicht zu erklären, wenn man nicht von größeren Kernschäden ausgehe, "und diese Kernschäden können dann ja auch nur durch Kernschmelzen verursacht worden sein." Deshalb stehe die Situation für Fukushima im Moment "auf der Kippe".

Der Evakuierungsradius wurde auf 20 Kilometer ausgeweitet. Etwa 215.000 Menschen im Umkreis des Kraftwerkes und des gleichfalls beschädigten AKW Fukushima-2 waren deshalb in Sicherheit gebracht worden. Wegen der erhöhten Radioaktivität in der Gegend mussten 22 Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt sind in Japan inzwischen rund 450.000 Menschen obdachlos.

Zumindest bei den beiden anderen betroffenen Kraftwerken gab es am späten Sonntagabend Entwarnung. In Tokai, 120 Kilometer nördlich von Tokyo, war ebenfalls das Kühlungssystem ausgefallen. Nach Angaben des Betreibers ist aber ein dritter Dieselgenerator funktionsfähig und kann eine ausreichende Kühlung des Reaktors gewährleisten.

Auch die radioaktive Strahlung in der Umgebung des Atomkraftwerks Onagawa sei wieder auf normale Werte zurückgegangen, berichtet die Internationale Atomenergieorganisation IAEA unter Berufung auf japanische Behörden. Am Sonntag war auch für Onagawa der nukleare Notstand ausgerufen worden.