Im Jemen wird die Lage des Präsidenten Ali Abdullah Salih prekärer. "Diejenigen, die über einen Putsch an die Macht gelangen wollen, sollten wissen, dass dies ausgeschlossen ist. Unser Land wird instabil sein, es wird einen Bürgerkrieg geben, einen blutigen Krieg", sagte Salih.

Gleichzeitig bot er an, im Januar 2012 abzutreten, ein Jahr früher als geplant. Der seit 32 Jahren regierende Staatschef sagte zudem, er würde Ende des Jahres ein Referendum über eine neue Verfassung abhalten, die die Rolle des Parlaments stärken soll.

Die Opposition, die seit Wochen Salihs Rücktritt fordert , lehnte das Angebot umgehend ab. Sie fordert seinen sofortigen Rücktritt. Außerdem will sie, dass mehrere Familienangehörige Salihs entlassen werden, die Schlüsselpositionen in den Sicherheitskräften besetzen. Der Protest gegen Salih setzte sich unterdessen fort. In Mukalla im Süden des Landes wurden bei Zusammenstößen zwei Soldaten getötet. Die nächsten Stunden würden entscheidend sein, sagte ein Sprecher der Opposition ohne ins Detail zu gehen.

Salih ist in den vergangenen fünf Tagen unter Druck geraten. Ein Teil der Armee, Botschafter und Stammesführer hatten sich am Montag von Salih abgewendet , darunter waren hochrangige Offiziere, die sich der Demokratie-Bewegung anschlossen.

Augenzeugen berichten, übergelaufene Truppen hätten sich mit Panzern an strategischen Einrichtungen in Sanaa postiert, darunter der Zentralbank und dem Sitz der Regierungspartei. Panzer der Präsidentengarde und der Sondereinsatzkräfte bezogen dagegen Stellung am Palast des Staatschefs.

Der Grund für den schwindenden Rückhalt für Salih ist, dass Proteste der Opposition am vergangenen Freitag niedergeschlagen wurden. Scharfschützen hatten während einer Demonstration in der Hauptstadt Sanaa 53 Oppositionelle erschossen und 126 weitere Menschen verletzt. Salih dementierte zwar, dass die Scharfschützen in Zivilkleidung im Auftrag der Regierung handelten. Die Opposition ist jedoch vom Gegenteil überzeugt. Daraufhin hatte Salih den Ausnahmezustand ausgerufen und am Sonntag die Regierung entlassen.

Auch international war Salih zuletzt zunehmend unter Druck geraten. Als erstes westliches Land forderte Frankreich am Montag offen seinen Rücktritt, der nach Ansicht von Außenminister Alain Juppe unvermeidlich ist. US-Präsident Barack Obama forderte einen "friedlichen Übergang" im Jemen. Das ärmste Land auf der arabischen Halbinsel ist ein wichtiger Verbündeter der USA und Saudi-Arabiens im Kampf gegen die radikal-islamische al-Qaida.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief die jemenitische Führung zu einem sofortigen Ende der gewaltsamen Übergriffe auf Demonstranten auf und forderte "einen Kurs der Reform und der Versöhnung". Dazu gehöre auch ein geordneter politischer Übergang, sagte Westerwelle.