Bei einem Bombenanschlag in Jerusalem ist eine 59-jährige Frau ums Leben gekommen. Der israelische Rundfunk berichtete, die Frau sei im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Etwa 35 weitere Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Der bis zu zwei Kilogramm schwere Sprengsatz ging in einem jüdischen Teil der Stadt in der Nähe des Hauptbusbahnhofs hoch, der an einer Zufahrtsstraße zur Stadt liegt.

Die israelische Regierung bestätigte, dass es sich um einen Anschlag handele. Ein Regierungsvertreter sagte, die Bombe sei in einer Tasche versteckt am Busbahnhof deponiert gewesen.

Die Explosion sei in der ganzen Innenstadt Jerusalems zu hören gewesen, schilderten Zeugen. "Ich sah eine helle Flamme, und dann wurde der Bus durchgeschüttelt", sagte ein Augenzeuge dem israelischen Rundfunk. Die Scheiben von zwei vollbesetzten Bussen in der Nähe wurden durch die Wucht der Explosion zerstört.

Der Hintergrund des Anschlags ist unklar. Auch habe es "keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag" gegeben, sagte Polizeiminister Izchak Aharonovich. Israelische Sicherheitskräfte blieben nach dem Anschlag weiter in Alarmbereitschaft. Die Sicherheitskräfte sperrten der Tageszeitung Haaretz zufolge die Stadtzufahrten und durchsuchten die Innenstadt nach verdächtigen Objekten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte einen geplanten Moskau-Besuch ab. Er kündigte eine "robuste Antwort" auf den Anschlag an, doch solle dabei "verantwortungsvoll und vernünftig" vorgegangen werden.

Der israelische Innenminister Eli Jischai forderte nach dem Anschlag "Aktionen gegen den Terror" und deutete damit an, dass er Palästinenser hinter der Tat vermutet. Gegenwärtig würden verschiedene Optionen erwogen, sagte Jischai. Er wollte sich jedoch nicht zu Details äußern.

 
Auch der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad verurteilte den Anschlag als "Terrorakt". "Es ist schändlich, wenn eine palästinensische Gruppe solche widerlichen Methoden anwendet, die unserem Volk und unserer Sache schon so viel geschadet haben", sagte Fajad.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag ebenfalls. Es gebe keine Rechtfertigung für Terrorismus. Israel habe wie alle Nationen das Recht, sich selbst zu verteidigen, hieß es in einer Mitteilung aus dem Weißen Haus. Zugleich kritisierte Obama, dass in den vergangenen Tagen aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel abgefeuert wurden. "Wir rufen alle Parteien auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um weitere Gewalt und zivile Opfer zu vermeiden", sagte Obama.

In der Vergangenheit hatten radikale Palästinenser mehrfach Anschläge auf Busse in Israel verübt. Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag in der Stadt Dimona war im Februar 2008 ein Israeli gestorben. Bei dem letzten Zwischenfall in Jerusalem im März 2009 waren zwei Polizisten verletzt worden. Ein Palästinenser hatte die Polizisten bei einer Amokfahrt mit einem Radlader angegriffen und war dabei erschossen worden.

Zuvor war die Gewalt zwischen Palästina und Israel eskaliert. Am Mittwoch schlugen Raketen in zwei israelischen Städten ein. Im 35 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernten Beerscheba wurde dabei ein Mann verletzt, eine andere Rakete schlug nahe dem Hafen der Stadt Aschdod ein, verletzte nach ersten Angaben aber niemanden. Weitere Geschosse schlugen im Süden Israels ein. Die locker mit Hamas verbündete Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich zu dem Angriff, der auch der Stadt Aschdod galt.

Am Vortag waren durch israelischen Beschuss neun Palästinenser getötet worden – vier Zivilisten und fünf Extremisten. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte eine "aggressive und entschlossene" Antwort an.