Die ersten militärischen Angriffe gegen die Truppen des Machthabers Muammar al-Gadhafi sollen nach französischen Angaben "in einigen Stunden erfolgen". Frankreich werde sich an der Intervention beteiligen, sagte Regierungssprecher François Baroin. "Die Franzosen haben diesen Eingriff gefordert, also werden sie sich selbstverständlich auch daran beteiligen", sagte er. Wann, wo und in welcher Form die Angriffe stattfinden würden, wolle er im Moment nicht mitteilen.

"Es handelt sich nicht um eine Besetzung libyschen Gebiets, sondern um einen Militäreinsatz, um das libysche Volk zu schützen und ihm zu ermöglichen, in seinem Streben nach Freiheit bis zum Ende zu gehen, also bis zum Sturz Gadhafis", fügte er hinzu.

Der UN-Sicherheitsrat hatte in der Nacht zuvor einen Entschluss angenommen, der die internationale Gemeinschaft dazu ermächtigt, "alle erforderlichen Maßnahmen" zu ergreifen, um die Zivilbevölkerung in Libyen zu schützen, ausgenommen den Einsatz fremder Truppen auf libyschem Boden. Die Maßnahmen umfassen insbesondere eine Flugverbotszone über Libyen, schließen aber auch mögliche Luftschläge gegen militärische Ziele ein.

Deutschland will sich nach den Worten von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nicht an einem Krieg in Libyen beteiligen. "Wir verstehen diejenigen, die aus ehrenwerten Motiven für ein internationales militärisches Eingreifen in Libyen entschieden haben", sagte Westerwelle. "Wir sind aber in der Abwägung auch der Risiken zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns mit deutschen Soldaten an einem Krieg, an einem militärischen Einsatz in Libyen nicht beteiligen werden."

Deshalb habe sich Deutschland bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat enthalten, sagte er. "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht." Deutschland unterstütze aber schärfere Sanktionen ausdrücklich.

Westerwelle sagte: "Wir fiebern mit den Menschen (in Libyen, d. Red.)." Deutschland wisse, dass die Notwendigkeit bestehe, die Menschen zu schützen und den Druck auf Diktator Muammar al-Gadhafi zu erhöhen. Dazu gehörten der politische Druck und Sanktionen, zudem müsse dafür gesorgt werden, dass Geldströme nach Libyen eingefroren würden.

Auf die Frage, ob sich Deutschland mit der Enthaltung im Sicherheitsrat isoliert habe, sagte Westerwelle, auch Länder wie Brasilien, Russland und Indien hätten sich enthalten. Deutschland habe für seine Entscheidung den Respekt seiner europäischen Partner. Dies sei auch in Gesprächen zum Ausdruck gekommen.

Als erstes arabisches Land hat das Golfemirat Katar angekündigt, dass es sich an möglichen Militäraktionen gegen Libyen beteiligen könnte. Das Land begrüße die in der Nacht zuvor gebilligte UN-Sicherheitsratsresolution, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur QNA eine Quelle im katarischen Außenministerium. "Der Staat Katar hat in Einklang mit dieser Resolution entschieden, sich an den internationalen Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens und zum Schutz der Zivilbevölkerung zu beteiligen", hieß es. Frankreich und die USA hatten zuvor gesagt, sie wollten sich nur an Luftschlägen beteiligen, wenn auch arabische Partner mitmachten.

Der britische Premierminister David Cameron rief für den Vormittag eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein. Einem Sprecher zufolge will er vor dem Parlament eine Erklärung zu Libyen abgeben. Cameron dürfte dabei die Abgeordneten über die britische Beteiligung an der Militäraktion in Libyen unterrichten.

Norwegens Verteidigungsministerin Grete Faremo kündigte bereits eine Beteiligung ihres Landes an der Militärintervention an. Es sei aber noch zu früh zu sagen, in welcher Form, sagte sie der Zeitung Verdens Gang. Dänemark wartet nach Angaben von Außenministerin Lene Espersen auf die Zustimmung des Parlaments zur Entsendung von F-16-Kampfjets. Polen bot Transportflugzeuge an, schloss die Bereitstellung von Kampfflugzeugen jedoch aus. Bei der Einrichtung einer Flugverbotszone werde es keine Beteiligung polnischer Streitkräfte geben, sagte Verteidigungsminister Bogdan Klich.

Der Nato-Rat berät am heutigen Freitag bei einem Sondertreffen über die Konsequenzen der UN-Resolution, wie die Nato-Sprecherin Oana Lungescu mitteilte. Die Nato-Botschafter wollen über die Auswirkungen der UN-Resolution debattieren sowie alle möglichen Vorbereitungen treffen.

Gadhafis Sohn Seif al Islam sagte unterdessen, seiner Familie machten die angekündigten Luftangriffe "keine Angst". Die Bombardierung Libyens, die Tötung von Libyern helfe den Menschen nicht, sagte er in der Sendung ABC News Nightline aus der libyschen Hauptstadt Tripolis.

China bekundete derweil "ernsthafte Vorbehalte" gegenüber der Libyen-Resolution, bei deren Verabschiedung sich die Volksrepublik der Stimme enthalten hatte. Außenamtssprecherin Jiang Yu sagte: "Wir lehnen die Anwendung militärischer Gewalt in internationalen Beziehungen ab." Einigen Aspekten der Resolution stehe China äußerst skeptisch gegenüber.