Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat die UN-Resolution zum Militäreinsatz in Libyen als "mittelalterlichen Aufruf zur Führung eines Kreuzzugs" bezeichnet. Russischen Nachrichtenagenturen zufolge sagte Putin, die Resolution sei "mangelhaft und fehlerbehaftet". Er sei besorgt darüber, mit welcher "Leichtigkeit" die Entscheidung zum Einsatz von Gewalt gefallen sei, fügte Putin hinzu. Gewaltanwendung werde eine "starke Tendenz und eine Konstante" in der Politik der USA. Nach Jugoslawien, Afghanistan und Irak sei nun Libyen an der Reihe.

Das libysche System entspreche offensichtlich "nicht den Kriterien eines demokratischen Landes". Das bedeute aber nicht, "dass wir das Recht haben, uns in einen internen politischen Konflikt einzumischen – selbst wenn es sich um einen bewaffneten Konflikt handelt – indem wir eine der beteiligten Konfliktparteien verteidigen", sagte Putin.

Der russische Präsident Dimitri Medwedew bezeichnete die Äußerungen Putins als "inakzeptabel", berichtet die BBC.

Unterdessen sind sich auch die Außenminister der EU über den Einsatz von Militär gegen das Gadhafi-Regime weiterhin uneins. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) machte klar, dass er sich durch Äußerungen des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amre Mussa, bestätigt fühle. "Für den Schutz der Zivilisten braucht man keine Militäroperationen", hatte Mussa gesagt. Dabei bezog er sich auf Angriffe westlicher Staaten – vor allem Frankreichs, Großbritanniens und der USA – bei denen Zivilisten getötet worden seien.

"Wir sehen ja schon drei Tage nach dem Beginn der Luftangriffe und der Raketenangriffe, dass die Arabische Liga sich sehr skeptisch äußert", sagte Westerwelle unter Bezug auf Mussa. "Wenn wir dem genau zuhören, was die Arabische Liga gestern sagte, dann sehen wir leider, dass wir mit unseren Bedenken Recht hatten."

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte hingegen: "Ich habe keine Informationen, dass die Koalition bisher über das Mandat (des UN-Sicherheitsrates) hinausgegangen ist." Seines Wissens werde sich Mussa "heute noch mal äußern, weil er anscheinend gestern falsch verstanden wurde".

"Was die internationale Gemeinschaft hinsichtlich der UN-Resolution tut, ist absolut legal", sagte auch die spanische Außenministerin Trinidad Jimenez. Spanien nimmt an Militäraktionen gegen Libyen teil.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton widersprach der Ansicht, es gebe Streit in der EU: Bei dem Libyen-Gipfel vom Wochenende in Paris habe es Einigkeit aller Teilnehmer über das Kommuniqué gegeben, "und das schließt Deutschland ein".

"Wir haben es mit einer ziemlich komplexen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Operation zu tun, zu der verschiedene Länder verschiedene Beiträge leisten", sagte auch der schwedische Außenminister Carl Bildt. "Es ist nicht nötig, dass jeder an jedem einzelnen Aspekt der Operation teilnimmt." Selbstverständlich müsse zum Schutz der Zivilisten in Libyen nicht nur Gadhafis Luftabwehr, sondern auch die Artillerie zerstört werden.

Der Außenminister Österreichs, Michael Spindelegger, sagte, die UN-Resolution werde respektiert: "Es kann nicht darüber hinaus Kampfhandlungen geben, das ist klar. Aber ich glaube, da geht auch niemand davon aus, dass man das ausweiten muss." Zunächst müsse die Flugverbotszone installiert werden: "Und das wird dann auch dazu führen, dass die Zivilbevölkerung in Libyen nicht mehr durch Kampfhandlungen des Gadhafi-Regimes beeinträchtigt wird."