Libyen hat bereits auf die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedete Flugverbots-Resolution reagiert. Vor Journalisten hat der stellvertretende libysche Außenminister Chalid Kaim den Aufständischen Gespräche über eine Waffenruhe angeboten. "Wir sind bereit zu einer solchen Entscheidung, aber wir brauchen einen Gesprächspartner, um darüber zu diskutieren, wie das umzusetzen ist." Tripolis wolle positiv mit der Entscheidung des UN-Sicherheitsrats umgehen. Die Regierung werde Zivilisten schützen. Die internationale Gemeinschaft solle eine Kommission entsenden, die sich mit der Lage im Land auseinandersetzen soll, forderte Kaim.

Die Resolution der Vereinten Nationen wurde in der Rebellenhochburg Bengasi begeistert gefeiert. Menschen verfolgten im Zentrum von Bengasi das Votum des Weltsicherheitsrates auf einer Großbildleinwand mit. Sie riefen "Libyen! Libyen!" und schwenkten die rot-schwarz-grünen Fahnen der Vor-Gadhafi-Ära. Viele schossen in die Luft, auch Feuerwerksraketen stiegen hoch. Auch in Tobruk kam es zu Freudenkundgebungen.

Gadhafi drohte der internationalen Gemeinschaft Vergeltung an. Sollte in Libyen von außen militärisch eingegriffen werden, würde er sowohl zivile als auch militärische Ziele im Mittelmeerraum ins Visier nehmen, sagte ein Vertreter seines Verteidigungsministeriums. Der gesamte Luft- und Seeverkehr im Mittelmeer sei dann in Gefahr. In einem Interview mit dem portugiesischen TV Sender RTP war Gadhafi mit markigen Worten auf seine Kritiker eingegangen: "Diese wahnsinnige Arroganz und Verrücktheit. Wenn die Welt irre wird, dann werden wir das auch. Wir werden antworten", sagte er. "Wir werden ihnen das Leben zur Hölle machen, weil sie unser Leben zur Hölle machen. Sie werden niemals Frieden finden."

Der Sicherheitsrat hatte am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York eine Resolution über ein Flugverbot über dem nordafrikanischen Land verabschiedet, um die libyschen Zivilisten vor der Luftwaffe des Machthabers Muammar al-Gadhafi zu schützen. Erlaubt ist militärisch fast alles – bis auf Bodentruppen. Deutschland enthielt sich in der Abstimmung und will das auch bei Luftschlägen tun.

Seit drei Wochen hatten die Staaten über die Einrichtung einer Flugverbotszone diskutiert und gerungen. In dieser langen Zeit spielte Gadhafi seine militärische Überlegenheit aus und konnte etliche der von Rebellen zunächst eroberten Städte wieder zurück.

Er drohte am Donnerstagabend im Rundfunk, er werde die von Rebellen gehaltene Stadt Bengasi möglicherweise schon in wenigen Stunden angreifen lassen. Für diejenigen Libyer, die dann noch nicht ihre Waffen abgegeben hätten, werde es harte Strafen und "keine Gnade" geben.

In Libyen gingen die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen weiter. Zehn Kilometer östlich der Stadt Bengasi, am Flughafen, fielen Bomben. Der Beschuss durch Regierungstruppen richtete zunächst keine Schäden an, wie ein Oppositionssprecher Al Jazeera sagte.

In einem verlustreichen Kampf soll es den Aufständischen gelungen sein, ihre Positionen bei Adschdabija und in der von Regimetruppen eingeschlossenen Stadt Misarata zu behaupten. Gadhafis Truppen sollen Artillerie gegen die 210 Kilometer östlich von Tripolis gelegene Stadt eingesetzt haben. Dabei seien 18 Menschen gestorben, sagte ein Kämpfer der Regimegegner dem Nachrichtensender Al Arabija. Wie alle Berichte über die Militäroperationen in Libyen lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

Gefechte wurden auch aus der Stadt Adschdabija, 160 Kilometer südlich von Bengasi, gemeldet. Dort sollen Gadhafi-Truppen mit Geschützen und Panzern angegriffen haben. Ein Augenzeuge schilderte Al Arabija, er habe nach den heftigen Luftangriffen vom Vortag im Krankenhaus der Stadt die Leichen von 30 Zivilisten, darunter Frauen, Kindern und alten Menschen, gesehen.

Das libysche Staatsfernsehen hatte in der Nacht zum Donnerstag Bilder von der angeblichen Einnahme der Stadt durch die Regimetruppen gezeigt. Die in Siegerpose aufmarschierenden Soldaten wären aber in Wirklichkeit am westlichen Eingang der Stadt gewesen, berichtete Al Jazeera. Auf den Bildern war nichts zu sehen, was auf eine Stadt hindeutet.

Nach den Worten von Libyens Vizebotschafter Ibrahim Dabbashi droht in Libyen ein Völkermord. "Gadhafi hat den Verstand verloren. Er greift mit Kampfflugzeugen Zivilisten in dichtbewohnten Städten an", sagte er in New York. Dabbashi hatte sich vor einem Monat von Gadhafi losgesagt.