Ungeachtet der ständigen Angriffe der internationalen Streitmacht gibt sich Libyens Staatschef Muammar al-Gadhafi siegessicher. In einer vom staatlichen libyschen Fernsehen übertragenen Rede versprach er vor jubelnden Anhängern, die Angreifer zurückzuschlagen: "Wir werden nicht aufgeben. Wir lassen uns nicht terrorisieren. Wir werden sie auf jeden Fall besiegen." Die Angreifer bezeichnete er als "Faschisten", die auf dem "Müllhaufen der Geschichte" landen würden.

Dabei hofft der Machthaber auf die Unterstützung der islamischen Staaten, die sich dem Kampf anschließen sollten. "Alle muslimischen Armeen müssen sich an der Schlacht gegen die Kreuzfahrer beteiligen", sagte Gadhafi und verwies auf die große Anteilnahme, die seinen Glaubensbrüdern zuteil würde: "Überall auf der Welt gibt es Proteste, um Euch zu unterstützen, in Asien, Afrika, Amerika und Europa."

Offenbar hofft der 68-Jährige auch für sich persönlich auf Hilfe von dort. Nach Informationen der US-Regierung lässt er Optionen für einen möglichen Abgang ins Exil ausloten. "Wir haben von Leuten aus seinem Umfeld gehört, die mit Menschen, die sie überall auf der Welt kennen, Kontakt aufnehmen", sagte Außenministerin Hillary Clinton dem Sender ABC. Dabei würden dann Fragen gestellt wie: "Was machen wir? Wie kommen wir aus der Sache raus? Was passiert als nächstes?"

Zwar habe sie keine Informationen, dass Gadhafi selbst entsprechende Kontakte aufgenommen hat, "aber ich weiß, dass Leute angeblich in seinem Namen die Fühler ausstrecken". Ein Teil davon sei sicher nur Theater. Dennoch glaube sie, dass der exzentrische Staatschef Szenarien für ein Ende der Kämpfe in seinem Land und seine Flucht ins Ausland ausloten lässt. "Und wir würden das unterstützen", sagte Clinton.

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Zugleich versprach die Führung in Tripolis erneut einen Waffenstillstand – kurz bevor Gadhafis martialische Rede übertragen wurde. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon berichtete, dass ihn der libysche Ministerpräsident Al Baghdadi Ali al-Mahmoudi angerufen und informiert habe. Allerdings muss die Aufrichtigkeit des Angebots angezweifelt werden, denn Gadhafis Truppen setzten ihre Angriffe gegen Stellungen der Rebellen fort. Diese wiederum setzen auf die Unterstützung der alliierten Streitmacht. "Ohne ein Eingreifen ausländischer Mächte können die Massaker Gadhafis an der Zivilbevölkerung nicht beendet werden", sagte der Vorsitzende der libyschen Übergangsregierung, Mustafa Abdul Dschalil, dem Nachrichtensender Al Jazeera.

Dies ist auch in der Militärallianz unumstritten – im Gegensatz zu der Frage, wer bei dem Einsatz das Kommando übernehmen soll. Zwar kündigte US-Präsident Barack Obama nach einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron an, dass die Nato eine Schlüsselrolle übernehmen werde. Wie diese aber genau aussehen soll, bleibe Gegenstand fortlaufender Diskussionen.

Seit Tagen beharken sich die Mitglieder des Verteidigungsbündnisses darüber. Frankreich wollte seine Führungsrolle zunächst nicht abgeben, die USA dagegen ihre so schnell wie möglich aufgeben. Die Türkei wiederum will die Verantwortung der Nato nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen überstellen. Und so blieb auch Clinton erneut vage: In ihrem Interview mit dem Sender ABC kündigte sie zwar einen raschen Kommandowechsel an. Allerdings fügte sie hinzu: "Ob es bis Samstag geschieht oder nicht, hängt von der gemeinsamen Bewertung durch unsere militärischen Kommandeure mit den Alliierten und Partnern ab."

Die Beteiligung der Nato an der Durchsetzung der Flugverbotszone ist also noch vollkommen offen. Am Dienstagabend begann das Bündnis aber mit einem Marine-Einsatz zur Umsetzung des vom UN-Sicherheitsrat ebenfalls beschlossenen Waffenembargos gegen Libyen. Die Bundesregierung, die sich nicht aktiv an einem Militäreinsatz gegen das nordafrikanische Land beteiligen will, zog deshalb alle deutschen Kräfte aus den Bündnisoperationen im Mittelmeer ab. Zwei Fregatten und zwei Boote mit insgesamt 550 Soldaten wurden wieder unter nationale Führung gestellt.