Die Truppen von Libyens Machthaber Muammar al-Gadhafi gewinnen im Kampf gegen die Aufständischen immer mehr an Boden. Nachdem die Regierungstruppen am Sonntag die Umgebung der Stadt Brega einnahmen, zogen sich die Rebellen nach eigenen Angaben ins weiter östlich gelegene Adschabija zurück, dem letzten Stützpunkt vor der Oppositionshochburg Bengasi.

Von Adschabija aus führt eine Straße entlang der Küste direkt nach Bengasi sowie eine schnurgerade Wüstenautobahn durch das Hinterland nach Tobruk. Nach der Eroberung der Stadt könnten Gaddafis Streitkräfte die Hochburgen der Aufständischen direkt angreifen. Auch sind sie nun in der Lage, die von den Aufständischen kontrollierten Küstengebiete rasch zu umzingeln.

Die Regierungstruppen übernahmen nach Angaben der Aufständischen inzwischen zudem die Kontrolle über das Dorf El Bischer bei Brega, nachdem sie die Gegend um die ostlibysche Stadt bombardiert hatten. Das libysche Staatsfernsehen berichtete, die Rebellen seien aus Brega "vertrieben" worden. p { margin-bottom: 0.21cm; }

Die Gadhafi-Truppen hatten am Samstag bereits die Rückeroberung der Städte Ben Dschawad und Ras Lanuf gefeiert. Mit frisch gedruckten Bildern des Machthabers und Pro-Gadhafi-Rufen bejubelten die Regierungsanhänger ihren Sieg. Gadhafis Sohn Saif al-Islam sagte am Samstag in italienischen Medien, der Sieg über die Aufständischen stehe kurz bevor. 90 Prozent des Landes seien bereits unter der Kontrolle der regierungstreuen Truppen.

Angesichts dieser Entwicklung hat sich die Arabische Liga (AL) erstmals eindeutig auf die Seite der Rebellen gestellt. Bei ihrem Gipfeltreffen in Kairo forderten die Außenminister den UN-Sicherheitsrat auf, eine Flugverbotszone über Libyen zu verhängen. Gleichzeitig gingen sie zu dem Regime Gadhafis in scharfer Form auf Distanz , rügten "die schweren Verbrechen der libyschen Führung" und sprachen ihr jede weitere Legitimität ab.

Der AL-Generalsekretär Amr Mussa, der in Ägypten für das Präsidentenamt kandidieren will, erklärte, die Flugverbotszone sei " eine humanitäre Maßnahme , um die libyschen Zivilisten sowie Ausländer im Land zu schützen". Damit unterstützt der arabische Staatenbund zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Eingriff von außen in die Souveränität eines Mitgliedslandes. Allerdings ist ein solches Mandat der Vereinten Nationen in nächster Zeit unwahrscheinlich, weil sich die Vetomächte China und Russland bisher dagegen sträuben. Die USA kündigten allerdings für Dienstag einen Plan der Nato für eine Flugverbotszone an.

Auch im Westen des Landes schwindet die Macht der Opposition. Die Hauptstadt Tripolis wird weiter von Gadhafis Anhängern kontrolliert. Lediglich aus der 200 Kilometer östlich gelegenen Stadt Misarata wurden noch Kämpfe gemeldet. Den Rebellen fehlt es nicht nur an militärischer Erfahrung, sondern auch an Munition und modernen Waffen. So gibt es nach Angaben des Londoner "International Institute For Strategic Studies" im gesamten Ostteil des Landes "keine substantielle militärische Ausstattung, die es mit den Gadhafi-Kräften um Tripolis herum aufnehmen könnte".