Die libysche Führung hat angekündigt, den Aufstand innerhalb von zwei Tagen endgültig niederzuschlagen. "In 48 Stunden wird alles vorbei sein", sagte der Sohn des autokratischen Machthabers Gadhafi, Saif al-Islam, dem französischen TV-Sender Euronews. Staatschef Muammar al-Gadhafi hatte sich zuvor ebenfalls siegesgewiss gezeigt.  "Wenn es sich um ein ausländisches Komplott handelt, werden wir es zerschmettern, und wenn es sich um ein Komplott im Inland handelt, werden wir es auch zerschmettern", sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Gadhafis Soldaten rücken inzwischen immer näher an die Rebellen-Bastion Bengasi heran und rüsteten sich für den möglicherweise entscheidenden Kampf gegen die Aufständischen. Geschützdonner von schwerer Artillerie und Luftabwehrkanonen erschütterte die ostlibysche Hafenstadt, eine Hochburg der Rebellenbewegung, die im Gegensatz zu Gadhafis Truppen nur unzureichend bewaffnet sind. Tausende Bewohner flüchteten in Richtung ägyptische Grenze. 

In den vergangenen elf Tagen hat die Regierung fast alle Öl-Anlagen zurückerobert und die Kontrolle über eine Reihe von Küstenstädten zurückgewonnen. "Wir haben ihnen unsere Gewehre gegeben und sie sagten, wir sollen nun Gadhafi feiern", berichtete ein Aufständischer aus der lange umkämpften Stadt Adschdabija unter Tränen. "Wir haben verloren, einfach verloren."

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In der Küstenstadt Misarata gelang es den Rebellen indes, eine Offensive von regierungstreuen Truppen zurückzuschlagen. Dabei wurden nach Angaben eines Sprechers der Aufständischen vier Menschen getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt. Die Rebellen halten die rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegene Stadt seit mehreren Wochen. "Die Stadt wurde von allen Seiten angegriffen. Die Rebellen kontrollieren weiter die Stadt und haben den Einheiten Gadhafis zwei Panzer abnehmen können, als diese von Süden angriffen", sagte der Sprecher.

Die diplomatische Bemühungen um eine Flugverbotszone kommen nicht voran – was auch dem Regime in Tripolis nicht entgangen ist. Mit Blick auf die Uneinigkeit der internationalen Gemeinschaft sagte Saif al-Islam: "Egal welche Entscheidung getroffen wird, es ist zu spät."

Nichtsdestotrotz gibt es im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Diskussion über eine mögliche Flugverbotszone. Unterstützer dieses militärischen Schrittes, wie Frankreich und Großbritannien, ließen einen Entwurf für eine entsprechende Resolution kursieren. Länder wie Deutschland, Russland und China äußerten sich jedoch skeptisch. Auch Italien, eine mögliche Basis für eine Militäroperation, schloss eine Intervention aus. "Wir können keinen Krieg führen", sagte Außenminister Franco Frattini. Die internationale Gemeinschaft sollte und wolle das auch nicht tun.

Diese Meinung vertrat auch Außenminister Guido Westerwelle in einer Regierungserklärung im Bundestag. Die Bundesregierung wolle nicht auf eine "schiefe Ebene geraten, an deren Ende dann deutsche Soldaten Teil eines Krieges in Libyen sind", sagte er. Die vermeintlich einfache Lösung einer Flugverbotszone werfe mehr Fragen und Probleme auf, als sie zu lösen verspreche. "Wir wollen und dürfen nicht Kriegspartei in einem Bürgerkrieg in Nordafrika werden."

Der FDP-Vorsitzende warb für eine Verschärfung der internationalen Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen das Regime und drohte Gadhafi mit dem Internationalen Strafgerichtshof. Gadhafi müsse für seinen "Feldzug gegen das eigene Volk" zur Verantwortung gezogen werden.