Die 27 Mitgliedstaaten haben weitere Sanktionen gegen libysche Unternehmen beschlossen, darunter die staatliche libysche Ölfirma NOC. Damit setzt die EU die Sanktionen um, die im Rahmen der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrats aus der vergangenen Woche festgelegt wurden. Die Guthaben der Firmen in der EU werden eingefroren und Geschäftsbeziehungen mit den Unternehmen verboten. Die Strafmaßnahmen sollen am Donnerstag in Kraft treten.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt für ein umfassendes Ölembargo gegen Libyen ausgesprochen, damit keine Erlöse mehr nach Tripolis fließen können. Zwar sind die Öllieferungen aus dem nordafrikanischen Land fast gestoppt, aber noch Angaben von EU-Diplomaten sind immer noch Zahlungen für bereits geliefertes Öl möglich. Daher sei es wichtig, die Sanktionen auf die libysche Ölgesellschaft auszuweiten. Das US-Finanzministerium hatte bereits am Dienstag 14 libysche Unternehmen mit Sanktionen belegt.

Die EU will Gadhafi mit Sanktionen zu einem Machtverzicht und zu einem Stopp der Gewalt gegen die Aufständischen und Zivilbevölkerung zwingen. Die EU-Länder haben bereits ein Waffenembargo sowie Kontosperren und Einreiseverbote gegen Gadhafi und seine Vertrauten verhängt. Von Kontensperren sind inzwischen auch die Zentralbank des Landes sowie ein Staatsfonds betroffen, der die Öleinnahmen des Landes verwaltet. Am Montag beschloss die EU, das Vermögen von weiteren Führungsvertretern sowie von neun Banken und Unternehmen einzufrieren. Schwedens Behörden sperrten libysche Geldanlagen im Wert von 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro), wie die Finanzaufsicht in Stockholm mitteilte.

Die Botschafter der Nato-Staaten versuchen weiterhin, sich über die Rolle der Allianz in dem Konflikt zu einigen. Frankreich lehnt eine Führungsrolle der Nato ab und will, dass die Kommandostruktur des Bündnisses lediglich zur Unterstützung der bereits im Einsatz stehenden Koalition genutzt wird. Diese wird von Frankreich, den USA und Großbritannien geführt. Die USA wollen eine Schlüsselrolle für die Nato. Andere Staaten lehnen eine Führungsrolle Frankreichs ab oder verlangen ausdrücklich eine Führung durch die Nato.