Die schweren Luftangriffe auf Ziele in Libyen haben auch am vierten Tag in Folge noch keine entscheidende Wirkung gezeigt. Machthaber Muammar al-Gadhafi geht weiter brutal gegen die Rebellen im Osten des Landes vor.

Bei Gefechten in der Stadt Misarata sollen in den vergangenen Tagen 40 Menschen getötet worden sein. "In Misarata ist ein Massaker im Gange", beschrieb ein Sprecher der Aufständischen die Lage in der seit Wochen eingeschlossenen Stadt. Das Zentrum liege im Feuer von Gadhafis Panzern. Auch Scharfschützen nähmen an den Kämpfen teil, berichtete ein Einwohner. Vier Kinder seien beim Angriff auf ein Auto getötet worden. Ärzte berichteten, Verwundete mit Schuss- und Splitterverletzungen würden auf Krankenhausfluren operiert.

In der Region Jefren nahe der tunesischen Grenze seien seit Montag mindestens neun Menschen getötet worden, sagte ein Einwohner. "Wir hatten erwartet, dass die Koalition die Bataillone Gadhafis daran hindert, in diese Region vorzudringen", sagte der Mann. Da die Koalition aber nicht interveniert habe, hätten die Regierungstruppen versucht, die Stadt möglichst rasch einzunehmen. 

Auch die im Westen gelegene Stadt Sintan wurde angegriffen. Gadhafis Truppen setzten nach Berichten des Fernsehsenders Al Jazeera schwere Waffen ein. Bewohner flüchteten aus dem Stadtzentrum und brachten sich in den Bergen in Sicherheit. Bewohnern zufolge wurden mindestens zehn Menschen getötet.

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Die westliche Koalition unter der Führung der USA hat unterdessen mit Bomben und Raketen Ziele in den Städten Tripolis, Sawija, Misarata, Sirte und Sebha getroffen, sagte ein Sprecher der libyschen Regierung. "Es gab zahlreiche Opfer, darunter auch Zivilisten, vor allem auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Kardabija in Sirte." Eine Al-Jazeera-Korrespondentin berichtete von zwei starken Explosionen. "Wir können sehen, dass ein Teil des Hafens in Flammen steht."

Zwei in Libyen vermissten AFP-Journalisten und ihr Kollege der Foto-Agentur Getty befinden sich in Händen der libyschen Armee. Die Gruppe sei im Osten des Landes von Soldaten gestoppt und an einen unbekannten Ort gebracht worden, sagte ihr Fahrer Mohammed Hamed.

Am Montag kamen zwei Reporter und zwei Fotografen der New York Times wieder frei und konnten nach Tunesien ausreisen. Auch von der seit Freitag vermissten tunesischen Journalistin Fatma Ben Dhaou, die für die Zeitung Le Quotidien arbeitet, gab es laut ihrem Mann von Bengasi aus nun per Internet ein Lebenszeichen.

Seit Beginn des Konflikts in Libyen wurden bereits mehrere Journalisten festgenommen. Derzeit befinden sich außer den AFP-Mitarbeitern noch vier Journalisten des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera in der Gewalt der Gadhafi-Truppen.