Die Luftwaffe von Libyens Machthaber Muammar al-Gadhafi ist nach Darstellung der britischen Air Force ausgeschaltet. "Die libysche Luftwaffe ist keine kämpfende Kraft mehr", sagte Greg Bagwell, der Kommandeur der britischen Luftstreitkräfte, der BBC. Die Flugzeuge der Alliierten könnten inzwischen nahezu ungestört im Luftraum über Libyen operieren und die Flugverbotszone überwachen.

Die Piloten der britischen Kampfflugzeuge konzentrierten sich nun zunehmend auf die Geschehnisse am Boden. "Wir haben ein Auge auf die unschuldigen Menschen in Libyen und stellen sicher, dass sie nicht angegriffen werden", sagte Bagwell. Man halte die libyschen Bodentruppen unter ständiger Beobachtung. "Wir greifen sie an, wann immer sie Zivilisten bedrohen oder sich besiedelten Zentren nähern."

Bisher kommen die Aufständischen trotz der Angriffe der internationalen Allianz auf die Truppen Gadhafis militärisch nicht weiter. Bei Adschdabija, 160 Kilometer südlich von Bengasi, mussten sie Rückschläge hinnehmen. Weitere Teile der Küstenstadt Misarata fielen an das Gadhafi-loyale Militär.

Wie der Sender Al Jazeera berichtete, unterliegen die Aufständischen ihren Gegnern regelmäßig. Sie verfügten weder über ausreichende Feuerkraft noch Kommunikationsmöglichkeiten oder die nötige militärische Organisation. Sie könnten lediglich sporadische Nadelstich-Angriffe auf die Regimetruppen unternehmen, um sich dann schnell wieder unter dem Feuer des Gegners zurückzuziehen.

Das zeigte sich in Misarata. Inzwischen sollen Gadhafis Milizen dort das städtische Krankenhaus kontrollieren. Panzer seien davor postiert, auf dem Dach stünden Scharfschützen, die feuerten, schilderte ein Bewohner. Mindestens drei Menschen seien getötet worden.

Wie ein Arzt sagte, starben 17 Menschen durch Schüsse von Heckenschützen und Granaten. Unter den Toten seien auch fünf Kinder. "Der gestrige Tag war eine Katastrophe", sagte er. "Wir hatten das Gefühl, das sei das Ende." Vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen – seien mit ihren Eltern in einem Auto vor den Bombenangriffen geflohen und am Dienstagmorgen ums Leben gekommen. Ein weiteres Kind sei ins Krankenhaus eingeliefert worden und am Nachmittag gestorben.

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Die Aufständischen baten die westliche Militärallianz, ein Lazarettschiff nach Misarata zu entsenden. Die Bewohner der Stadt wüssten nicht mehr, wohin sie die Verletzten bringen sollen. Im Gegensatz zum Stadtzentrum werde der Hafen noch von den Gadhafi-Gegnern kontrolliert.

In der Aufständischen-Hochburg Bengasi organisierte sich indes der Übergangsrat, die politische Organisation der Gadhafi-Gegner, zu einer "provisorischen Regierung". Bislang zögerte man diesen Schritt hinaus, um nicht den Eindruck zu erwecken, das Land spalten zu wollen, hieß es in Bengasi.

Angeführt wird die provisorische Regierung von dem Ökonomen Mahmud Dschabril. Dieser hatte in den vergangenen Wochen mit führenden ausländischen Politikern verhandelt, unter ihnen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und US-Außenministerin Hillary Clinton. Frankreich hat den Rat der Rebellen bereits anerkannt.