Die Nato hat sich nach Angaben eines Diplomaten im Wesentlichen auf eine Kommandostruktur für einen Militäreinsatz in Libyen geeinigt. Demnach sollen die täglichen Einsätze von den Nato-Stützpunkten in Neapel und im norditalienischen Poggio Renatico koordiniert werden. Der Gesamteinsatz solle im militärischen Nato-Hauptquartier im belgischen Mons überwacht werden.

Während damit die militärischen Planungen für einen Einsatz des Verteidigungsbündnisses voranschreiten, steht die politische Entscheidung der 28 Nato-Mitglieder weiter aus. Die Beratungen dazu sollten an diesem Donnerstag fortgesetzt werden, hieß es in Brüssel. Diplomaten zufolge zeichnet sich dabei ein Kompromiss ab, der es den Ländern, die den Libyen-Einsatz für falsch halten, erlauben würde, sich aus den Aktionen herauszuhalten.

Die Optionen, die dabei geprüft werden, seien unter anderem die Abgabe des Führungskommandos an Frankreich und Großbritannien sowie die Übergabe an Frankreich allein. Vor allem die Regierung in Washington würde die Entscheidung darüber vorantreiben. Die USA wollen ihre Führungsrolle innerhalb der nächsten Tage abgeben.

Bislang hatte vor allem die Türkei eine Einigung in dieser Frage verhindert. Das Land ist gegen eine Überwachung der Flugverbotszone in Libyen durch die Nato, sollte die Militärkoalition nicht zuvor ihre Angriffe beenden. Nun will sich der Nato-Oberbefehlshaber für Europa, der US-General James Stavridis, mit dem türkischen Generalstabschef Isik Kosaner und dem türkischen Verteidigungsminister Vecdi Gönül treffen.

Nach einem Bericht der Zeitung Hürriyet ist die türkische Regierung darüber verärgert, dass Frankreich mit dem Beginn des Bombardements einen Plan der Führung in Istanbul für einen friedlichen Machtwechsel in Libyen durchkreuzt hat. "Frankreich bombardierte eine Friedenslösung", meldete das Blatt unter Berufung auf nicht näher genannte Gewährsleute, die an den vertraulichen Verhandlungen über den Friedensplan beteiligt waren.

Laut Hürriyet hatte die türkische Regierung hinter den Kulissen sowohl mit der Regierung von Machthaber Muammar al-Gadhafi als auch mit der libyschen Opposition gesprochen. Die USA seien über den Fortgang dieser Gespräche informiert worden. Der türkische Plan sah demnach einen zeitlich klar begrenzten Übergang zur Demokratie vor; unter anderem schlug die Türkei vor, Gadhafi solle eine eigene Partei gründen, die sich dann an freien Wahlen beteiligen solle. In einer entscheidenden Phase der Konsultationen über den Plan hätten die Bombardements in Libyen begonnen und das Vorhaben scheitern lassen.

Nach Einschätzung der französischen Regierung ist es eine Frage von Tagen oder Wochen, aber nicht von Monaten, bis die militärische Schlagkraft von Gadhafi zerstört ist.