Der libysche Despot Muammar al-Gadhafi hat sich auch durch Sanktionsbeschlüsse und internationale Kritik nicht zum Rückzug bewegen lassen. Die USA haben deshalb ihre Entschlossenheit bekräftigt, weitere Gewalt der Gadhafi-Getreuen gegen die Menschen im Land verhindern zu wollen. Präsident Barack Obama sei bereit, dafür notfalls auch zusätzliche Schritte einzuleiten, teilte das Präsidialamt am Montag mit.

Obama habe dies in einem Telefonat mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper gesagt, der die Position der US-Regierung uneingeschränkt teile. Beide seien sich einig, dass auf die Krise in Libyen reagiert und Gadhafi Einhalt geboten werden müsse. Als ersten Hinweis darauf, was die zusätzlichen Schritte beinhalten könnten, verlegten die USA Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge näher an Libyen heran, um den Druck auf den Machthaber zu erhöhen. Ebenso wie Obama schließt auch der britische Premierminister David Cameron "die Nutzung militärischer Mittel in keiner Weise aus". Es sei intolerabel, dass das Regime das Militär gegen das eigene Volk einsetzt.

Deutliche Kritik am Gebaren des libyschen Despoten äußerte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice. Sie warf Gadhafi Realitätsverlust und Größenwahnsinn vor. Der Regent hatte etwa am Montag in einem Interview mit Gelächter auf die Frage reagiert, ob er zurücktreten werde. Sein Volk liebe ihn, sagte er dort. "Das klingt, ehrlich gesagt, einfach größenwahnsinnig", sagte Rice, nachdem sie das hörte. "Wenn er lachen kann in dem Gespräch, während er sein eigenes Volk abschlachtet, dann unterstreicht das nur, dass er nicht in der Lage ist zu führen, und wie sehr er die Verbindung zur Realität verloren hat."

Zugleich machte sie deutlich, dass die USA ihn für nicht mehr voll zurechnungsfähig halten. Wenn Gadhafi jetzt in Interviews behaupte, es gebe keine Gewalt in seinem Land, zeige dies, dass er "wahnhaft" sei und die Verbindung zur Wirklichkeit verloren habe.

Der Osten Libyens ist indes der Kontrolle Gadhafis schon vor Tagen entglitten. Doch der Machthaber ist sich sicher: Seine Anhänger seien bereit zu sterben, um ihn zu schützen.

Derzeit sind es jedoch hauptsächlich Gadhafis Gegner, die ihren Protest mit dem Leben bezahlen. In Tripolis sollen Gefolgsleute Gadhafis erneut auf unbewaffnete Demonstranten geschossen und dabei mehrere Jugendliche getötet haben. In dem Viertel Tadschura hätten knapp 10.000 Demonstranten gegen Gadhafi protestiert, berichtete die libysche Zeitung Kurina. Die Gadhafi-Getreuen seien zivil gekleidet gewesen. Eine unabhängige Bestätigung für den Bericht gab es aber nicht.

Der zur Opposition übergetretene libysche Botschafter in den USA ist nun offiziell von seinem Posten entbunden. In Washington sei eine Erklärung aus Tripolis eingegangen, wonach Ali Audschali die Anerkennung als Botschafter entzogen worden sei, sagte ein Außenamtssprecher.

Die internationale Gemeinschaft versucht, Gadhafi nun massiv durch Sanktionen zum Aufgeben zu zwingen. Nach den Vereinten Nationen hatte auch die EU Beschränkungen beschlossen, die teils über die Maßnahmen der UN hinausgehen: 26 Personen stehen auf einer Schwarzen Liste und unterliegen einem Einreisestopp. Güter, mit denen sich die Bevölkerung unterdrücken lässt, darunter auch Waffen, unterliegen einem Handelsverbot.

Großbritannien stoppte den Transfer von umgerechnet etwa einer Milliarde Euro nach Libyen. Einem Bericht der Financial Times zufolge wollten sich Vertraute von Gadhafi die frisch gedruckten Geldscheine in der vergangenen Woche im Nordosten Großbritanniens auszahlen lassen und nach Libyen bringen.

Das US-Finanzministerium fror 30 Milliarden Dollar libysches Vermögen ein. Auch die Schweiz und Großbritannien hatten den Zugriff auf Konten des Regimes gestoppt. Neben den bereits angekündigten internationalen Sanktionen brachten mehrere Regierungen die Möglichkeit einer Flugverbotszone ins Spiel.

Die Lage für die Bewohner verschlechtert sich zusehends: In Tripolis herrscht nach Einschätzung der UN inzwischen Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Verbandszeug für Verwundete. Ein genaues Bild vom Geschehen hat keiner, weil die UN-Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen abgezogen sind. Die Unter-Generalsekretärin für humanitäre Notlagen, Valerie Amos, sagte nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera, es gebe einen Bericht, dass in Tripolis bereits 600 bis 2000 Menschen starben. Es existierten "grauenhafte Bilder" aus der Hauptstadt.

Die UN gehen davon aus, dass mittlerweile mehr als 100.000 Menschen in benachbarte Länder auf der Flucht sind. Etwa 60.000 Flüchtlinge hätten sich nach Ägypten abgesetzt, weitere 40.000 nach Tunesien. Generalsekretärin Amos bat Libyens Nachbarländer, die Grenzen offenzuhalten, damit Verfolgte des Gadhafi-Regimes entkommen könnten.