Die westlichen Koalitionstruppen haben ihren Militäreinsatz gegen Libyen fortgesetzt. Mehrere französische Kampfflugzeuge vom Typ Rafale und Mirage 2000 überflogen das Land. Auch die USA setzten ihre Aktion fort. Mindestens 18 US-Kampfflugzeuge, darunter auch drei Tarnkappenbomber, bombardierten am Sonntagmorgen Ziele in Libyen, wie ein Sprecher des Afrika-Kommandos der US-Streitkräfte (AFRICOM) in Möhringen bei Stuttgart mitteilte.

Nun zeichnet sich auch eine direkte Beteiligung der Nato ab. Militärs und Botschafter der 28 Länder hätten in wesentlichen Fragen einen Konsens über einen Einsatz erreicht, berichteten Nato-Diplomaten am Sonntag in Brüssel. Doch einige Details seien noch offen. Nach wie vor fehlt ein politisches Mandat, allerdings wollen die Botschafter dies so bald wie möglich beschließen.

Mit einer eigenen Beteiligung wolle die Nato als wichtigstes Ziel erreichen, das vom UN-Sicherheitsrat genehmigte Flugverbot über Libyen durchzusetzen, hieß es. Zu diesem Zwecke sollten Nato-Kräfte die Luftabwehr Libyens vernichten. Ein weiteres Ziel sei die Überwachung des Waffenembargos gegen Libyen.

Seit Tagen laufen im Brüsseler Nato-Hauptquartier Kriegsvorbereitungen, die Planungen gelten als abgeschlossen. 

Unterdessen war am frühen Sonntagmorgen in der libyschen Hauptstadt Tripolis heftiges Feuer aus Flakgeschützen zu hören. Der amerikanische Fernsehsender CNN zeigte Aufnahmen von Leuchtspurgeschossen. Es habe Explosionen gegeben und die Flugabwehr habe gefeuert. Der Geschützdonner habe etwa zehn Minuten gedauert, hieß es beim britischen Sender BBC. Auch über der Rebellenhochburg Bengasi im Osten des Landes waren Kampfflugzeuge und Explosionen zu hören. Ein Korrespondent des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera sagte, dass es sich um westliche Jets gehandelt haben müsse.

Im libyschen Fernsehen hieß es unter Berufung auf das Militär, bei den Angriffen seien 48 Menschen ums Leben. 150 Menschen seien verletzt worden, berichtete CNN nach dieser Quelle.

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Das US-Verteidigungsministerium will sich nach den massiven Luftschlägen gegen Ziele in Libyen einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörungen verschaffen. Vizeadmiral William Gortney sagte, dies könne erst am Sonntag nach Tagesanbruch geschehen. Beamte sagten dem amerikanischen Fernsehsender Fox News, die Luftverteidigung des Regimes von Diktator Muammar al-Gadhafi sei schwer getroffen worden.

Einem Medienbericht zufolge sorgt sich der Westen offenbar um Giftgas-Vorräte von Gadhafi. Mit Überwachungssatelliten werde ein Gebäude in einem abgelegenen Ort in der libyschen Wüste beobachtet, in dem rund zehn Tonnen Senfgas in mehreren Fässern aufbewahrt würden, berichtete die Washington Post. Die Fässer seien südlich der Stadt Sirte gelagert, wo Gadhafi geboren sein soll. Westliche Regierungsbeamte befürchten dem Bericht zufolge, der Diktator könne das Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzen.

Der internationale Militäreinsatz hatte am Samstag mit massiven Luft- und Raketenangriffen begonnen. Ziel sei der Schutz libyscher Zivilisten vor den Truppen des Machthabers Gadhafi, sagte der amerikanische Präsident Barack Obama. Es ist die größte internationale Militärintervention in der arabischen Welt seit dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak 2003.

Gadhafi bezeichnete die Militäroperation gegen seine Truppen als "Auslöser eines zweiten Kreuzfahrerkrieges". "Das Mittelmeer wird zum Schlachtfeld werden", drohte er in einer kurzen Ton-Botschaft, die vom staatlichen libyschen Fernsehen am Abend ausgestrahlt wurde. "Das libysche Volk ist bereit, die Kreuzritter zu bekämpfen", sagte Gadhafi. "Wir werden die Waffenlager für alle Libyer öffnen."

Der Machthaber kündigte einen langen Abwehrkampf seines Volkes gegen die internationale Militärintervention an. "Dies ist nun eine Konfrontation des libyschen Volkes mit Frankreich, Großbritannien und den USA, mit den neuen Nazis", sagte er. "Wir kämpfen in unserem Land, wir verteidigen unsere Ehre", führte er weiter aus. Die Kriegsgegner bezeichnete er als "Monster" und "Kriminelle". Die Regierungen in Paris, London und Washington würden fallen "wie Hitler und Mussolini".