Bisher hat die Türkei hat einen Militäreinsatz in Libyen unter dem Kommando der Nato abgelehnt. Doch nun stellt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan erstmals Bedingungen, zu denen ein Nato-Einsatz aus türkischer Sicht doch möglich wäre. Die Allianz, forderte Erdoğan, müsse sich offiziell dafür verbürgen, das Selbstbestimmungsrecht der Libyer zu achten, die Bodenschätze des Landes nicht anzutasten und die Militäraktion nicht in einer Besetzung des Landes enden zu lassen.

Erdoğan wiederholte allerdings seine Skepsis gegenüber einem Nato-Einsatz. Er forderte stattdessen einen humanitären Einsatz, der von den Vereinten Nationen angeführt werden sollte. Sein Land wolle einen unblutigen Übergang zu einer neuen Regierung. Er habe deshalb mehrmals mit Gadhafi telefoniert. Auch mit US-Präsident Barack Obama und dem britischen Premierminister David Cameron habe er in den vergangenen Tagen gesprochen.

Der Türkei gehe es in Libyen nicht ums Öl oder andere Gewinne, sagte Erdoğan. Allerdings hat das Land in Libyen auch erhebliche wirtschaftliche Interessen. Türkische Unternehmen bauen in Libyen an großen Infrastrukturprojekten und haben Verträge im Umfang von rund 11 Milliarden Euro abgeschlossen. Erst vor einigen Tagen bereitete die türkische Flughafengesellschaft TAV ihre Rückkehr nach Libyen vor. Das Unternehmen schickte auf Bitte der Führung in Tripolis zwei Ingenieure in die Hauptstadt, die dort Bedingungen für eine Fortsetzung des Baus eines neuen Flughafens prüfen sollen.

Auf politischer Ebene fühlt sich die Türkei offenbar auch vom Vorpreschen Frankreichs hintergangen. Erdoğan sei beleidigt, dass Präsident Nicolas Sarkozy ihn am Samstag nicht zum Libyen-Gipfel nach Paris eingeladen habe, obwohl die Türkei als Nato-Mitglied in den Wochen zuvor an militärischen Planungen beteiligt gewesen sei, schrieben türkische Kommentatoren.

Frankreich hat seine Position in dem Konflikt mittlerweile gelockert: Das französische Außenministerium kündigte an, die Führung des Militäreinsatzes an die Nato abgeben zu wollen – unter der Bedingung, dass die USA ihr Engagement verringern. Dies hat die USA ohnehin geplant.

Über die Durchsetzung des vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Waffenembargos gegen Libyen herrscht in der Nato inzwischen Einigkeit: Die Botschafter der 28 Nato-Staaten beschlossen, das Embargo auf dem Meer durchzusetzen. Schiffe sollen demnach kontrolliert werden, wenn Verdacht auf einen Verstoß gegen das Embargo besteht.

Deutschland will noch in dieser Woche ein Öl- und Gasembargo gegen Libyen in der EU durchsetzen. "Es kann nicht sein, dass einerseits militärische Aktionen geflogen werden, andererseits aber immer noch nicht ausgeschlossen ist, dass noch Öl- und Gasgeschäfte mit dem System Gaddafi stattfinden", sagte der FDP-Chef. "Es muss ausgeschlossen sein, dass der Diktator an frisches Geld kommt."

Westerwelle verteidigte erneut die Entscheidung, die Bundeswehr aus Kampfhandlungen gegen Libyen herauszuhalten. Vorwürfe, Deutschland isoliere sich mit dieser Haltung, wies er zurück. "Wir stehen, was den militärischen Einsatz angeht, unverändert mit unserer Skepsis weder international noch in Europa alleine." Die Mehrheit der EU-Staaten beteilige sich nicht an dem Einsatz. Das gelte auch für Länder, die entsprechende militärische Kapazitäten hätten. Als Beispiel nannte Westerwelle Polen.