Vor dem Pariser Sondertreffen zur Lage in Libyen besteht noch Uneinigkeit über die Befehlsstruktur eines Militäreinsatzes. An dem Gipfel nehmen neben den USA, Großbritannien und Frankreich auch arabische Staaten und Bundeskanzlerin Angela Merkel teil. Der französische UN-Botschafter Gerard Araud hatte erklärt, er rechne damit, dass der Militärschlag binnen Stunden nach dem Treffen erfolgen könne.

Während die britische Regierung eine Führungsrolle der Nato befürwortet, plädiert Paris für ein multinationales Kommando unabhängig von der Nato. Frankreich halte die Nato nicht für geeignet, eine neue Front in der arabischen Welt zu eröffnen, berichtet die regierungsnahe Zeitung Le Figaro.

Nach Informationen des Figaro will Frankreich für den Einsatz bis zu 25 Kampfflugzeuge der Typen Rafale und Mirage 2000 bereitstellen. Außerdem soll am Montag der Flugzeugträger Charles de Gaulle in das Krisengebiet entsandt werden.

Noch fehlt ein Nato-Mandat für einen Militäreinsatz. Am Samstag berieten daher auch die Botschafter der 28 Nato-Staaten in Brüssel, wie die vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Flugverbotszone durchgesetzt werden kann. "Wir treiben mit Hochdruck die Planungen voran und gehen die einzelnen Schritte durch", sagte ein Nato-Sprecher. "Wir wollen fertig sein, wenn es losgehen sollte." Bislang gebe es aber noch keine Entscheidung.

Wie aus Militärkreisen verlautete, zeichnet sich aber ab, dass die Nato bereit sein wird, das Flugverbot über Libyen durchzusetzen. Unklar ist vor allem, welche Staaten mitmachen werden.

Britische Militäreinheiten sind nach Informationen des Focus bereits seit Wochen in Libyen, um Kampfeinsätze vorzubereiten. Die Sonderkommandos würden strategische Ziele wie Fliegerhorste, Luftabwehrstellungen und Kommunikationszentralen vermessen und für Bombenangriffe markieren, schreibt das Magazin.

Die Kommandos gehörten zum Special Air Service (SAS) und zum Special Boat Service (SBS), die im Zweiten Weltkrieg gegründet wurden. Diese Einheiten wurden auch für Einsätze hinter feindlichen Linien in Afghanistan und im Irak eingesetzt. Focus beruft sich in seinem Bericht auf Berliner Sicherheitskreise.

Bereits vor zwei Wochen hatten die libyschen Rebellen nach britischen Medienberichten sechs SAS-Soldaten festgesetzt. Die Soldaten sollen britische Gesandte ins Rebellengebiet begleitet haben. Sie wurden nach mehreren Tagen freigelassen.

Der libysche Machthaber Muammar al-Gadhafi hat in Briefen an führende Weltpolitiker den Sicherheitsratsbeschluss zur Verhängung eines Flugverbots über Libyen für "ungültig" erklärt. "Die Resolution steht im Widerspruch zur UN-Charta, die jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Mitgliedslandes verbietet", hieß es in dem Schreiben, das der libysche Regierungssprecher Ibrahim Musa vor der Presse in Tripolis verlas. Der Brief war an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, den britischen Premierminister David Cameron und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon adressiert.

"Libyen gehört nicht euch. Libyen gehört uns", hieß es darin. "Wir können keinen einzigen Schuss auf unser eigenes Volk abfeuern, es ist die Organisation al-Qaida", die von den Regimetruppen bekämpft werde. Wenn die Westmächte eine Militärintervention gegen Libyen starteten und sich in die Angelegenheiten des Landes einmischten, würden sie dies "bedauern". Sie würden "unkalkulierbare Risiken für das Mittelmeer und Europa in Kauf nehmen", drohte Gadhafi.

Gadhafi schrieb einen weiteren Brief an US-Präsident Barack Obama, in dem er diesen seinen "Sohn" nannte. "Selbst wenn Libyen und die USA – Gott verbiete es – in den Krieg miteinander treten, wirst Du für immer mein Sohn bleiben", hielt Gadhafi fest. Auch in diesem Schreiben versteifte er sich auf die Behauptung, in Libyen nicht Gegner seiner Diktatur, sondern das ganz Nordafrika umspannende Terrornetz al-Qaida zu bekämpfen. "Was würdest Du tun, wenn Du sie in bewaffneter Kontrolle über amerikanische Städte vorfändest? Wie würdest Du Dich verhalten, damit ich Deinem Beispiel folgen kann?", schloss der Brief an Obama.