Die Nato hat wie angekündigt die Führung sämtlicher internationaler Militäreinsätze in Libyen übernommen. Die Botschafter der 28 Bündnisstaaten stimmten am Sonntagabend in Brüssel einem Operationsplan zu. Das teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mit. Der Plan sieht vor, dass die Nato künftig auch die Einsätze zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung leiten wird.

Dabei sind laut Beschluss des UN-Sicherheitsrates "alle notwendigen Maßnahmen" erlaubt. "Unser Ziel ist es, Zivilisten und von Zivilisten bewohnte Gebiete zu schützen, die von einem Angriff durch das Gadhafi-Regime bedroht sind", heißt es in der Erklärung Rasmussens. "Die Nato wird alle Aspekte dieser Resolution umsetzen – nicht mehr und nicht weniger."

Rasmussen sagte, die führenden Kommandeure der Nato seien beauftragt worden, diesen Einsatz "mit sofortiger Wirkung umzusetzen". Nach der Übernahme der Verantwortung für sämtliche Einsätze müssen nun die Nato-Mitglieder entscheiden, ob und wie sie sich daran beteiligen wollen. Als erstes und einziges Bündnisland hat Deutschland eine Beteiligung am Einsatz in Libyen ausgeschlossen.

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Die Allianz hatte in der Nacht zum Freitag bereits nach langem und heftigen Streit zwischen Frankreich und der Türkei beschlossen, die Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen zu kontrollieren. Zuvor war schon eine Seeblockade zur Verhinderung von Waffenlieferungen vereinbart worden.

"Dies ist ein sehr bedeutsamer Schritt, der die Fähigkeit der Nato zu entschlossenem Handeln beweist", sagte der Generalsekretär des Bündnisses. Die Nato-Staaten hatten sechs Tage gebraucht, um sich auf die Übernahme der Verantwortung für die Flugverbotszone zu einigen.

Bisher waren die Einsätze zum Schutz der Zivilbevölkerung von einer elf Staaten zählenden Koalition übernommen worden, zu deren wichtigsten Mitgliedern die USA, Frankreich und Großbritannien zählten. Dabei wurden vor allem Einrichtungen und Anlagen der libyschen Armee mit Raketen und Präzisionsbomben angegriffen, um diese am Vormarsch auf Städte zu hindern, die unter der Kontrolle der Opposition stehen.

Der Einsatz wird politisch und militärisch von der Nato geleitet. Doch wird es ein Lenkungsgremium geben, in dem jene "Truppensteller" vertreten sind, die aktiv teilnehmen – auch jene wie beispielsweise Katar, die nicht der Allianz angehören. Dieses Gremium soll eine beratende Rolle spielen.

Die Außenminister der bisherigen Koalition treffen sich am kommenden Dienstag mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in London. Dabei wollen Frankreich und Großbritannien einen Vorschlag für eine politische Lösung des Konflikts in Libyen machen. Auch Italien hat einen Vorschlag angekündigt. 

Derweil rückten die Rebellen unter dem Schutz der internationalen Militärallianz gegen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gadhafi vor. Sie kontrollieren nun wieder alle strategisch wichtigen Ölhäfen im Osten Libyens: Tobruk, Adschabija, Suweitina, Brega, Ras Lanuf, und Al-Sidra. Nach Ansicht von Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox sind die Aufständischen bald in der Lage, die Kontrolle über die Ölexporte des Landes zu übernehmen. Damit könnten sie die "politische Dynamik" des Konfliktes entscheidend ändern, sagte Fox am Sonntag der BBC.