Angaben widersprechen sich, Informationen aus Libyen sind rar. Aufständische kämpfen um weitere Städte, müssen aber auch Rückschläge hinnehmen. In Ras Lanuf feierten Hunderte die Einnahme der Hafenstadt, schilderte ein AFP-Reporter. Die Truppen Gadhafis hätten die Stadt mit ihrem wichtigen Ölhafen verlassen, sagte ein Kämpfer der Aufständischen. Die Regierung hingegen bestritt dies.

Der Vize-Außenminister Chaled Kaaim sagte, Ras Lanuf sei weiter unter Kontrolle der Regierungstruppen. Andere Regierungsvertreter machten weniger präzise Angaben: "Mal wird die Stadt von den einen, mal von den anderen gehalten", wer derzeit die Oberhand habe, lasse sich nicht sagen. Durch die Kämpfe um die libysche Hafenstadt sind nach Krankenhausangaben mindestens acht Menschen getötet worden.

Derweil dringen die Rebellen nach eigenen Angaben weiter nach Westen vor. Die Gegner von Machthaber Muammar al-Gadhafi hätten nun auch die Kontrolle über die 60 Kilometer entfernte Stadt Bin Dschawad übernommen, teilten Kämpfer der Aufständischen mit. Augenzeugen zufolge sollen einige Rebelleneinheiten sogar noch weiter auf dem Vormarsch sein.

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Zur Stadt Brega, die zwischen Ras Lanuf und Bengasi liegt, machte die libysche Regierung widersprüchliche Angaben. Zunächst räumte ein Regierungsvertreter den Verlust der Stadt ein. Etwas später widersprach ein anderer Regierungsvertreter dem. Nach Angaben der Rebellen halten sie Brega seit Mittwoch.

Die westlich von Tripolis gelegenen Stadt Sawija war unterdessen nach Angaben einer britischen Journalistin von Gadhafi-Truppen umzingelt. Seit Tagen widersetzt sich die Stadt der Herrschaft Gadhafis. Nun sei die Stadt heftig mit Artillerie und Panzergranaten beschossen worden, sagte ein Augenzeuge dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Krankenhausärzte berichteten von Angriffen auf Ambulanzwagen und Todesdrohungen gegen medizinisches Personal.

Während der Kämpfe um Sawija am Freitag starben laut der Journalistin mindestens drei Menschen. Bis zu 50 weitere hätten schwere Verletzungen erlitten, einige von ihnen schwere. Ein Einwohner sagte, bei den Gefechten seien zwischen 40 und 50 Menschen ums Leben gekommen. Der Sender Al Jazeera berichtete von 30 Toten. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

In der Nähe von Bengasi, der zweitgrößten Stadt Libyens, starben durch eine Explosion in einem Waffendepot mindestens 27 Menschen – zuvor war noch von 19 die Rede. Dutzende weitere wurden verletzt. Den Angaben zufolge gab es in dem Militärstützpunkt El Radschma, etwa 20 Kilometer südöstlich von Bengasi, zwei Detonationen, die in einem Umkreis von zehn Kilometern zu hören gewesen sein sollen. Die Ursache der Explosionen war zunächst unklar, Anwohner schlossen einen Angriff der libyschen Luftwaffe jedoch weitgehend aus.

Inzwischen sind in den vergangenen Tagen mehr als 172.000 Menschen über die Grenzen nach Tunesien und Ägypten geflohen. Nach Berichten über Gadhafi-Truppen, die Flüchtlinge am Grenzübertritt gehindert hätten, wollten die Vereinten Nationen verstärkt Satellitenbilder prüfen, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sagte. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sehe mit Sorge, dass schwer bewaffnete Gadhafi-treue Einheiten auf libyscher Seite an der Grenze Stellung bezogen und die Zahl der Flüchtlinge daraufhin am Donnerstag stark zurückgegangen sei.

Derweil erreichten drei deutsche Marineschiffe die tunesische Küste. Mehrere Hundert Flüchtlinge würden nun mit Beibooten auf die Schiffe gebracht, die dann von der Hafenstadt Gabes Kurs auf deren Heimatland Ägypten nehmen sollen. Einzelheiten zu der Aktion, die vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) koordiniert wird, nannte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin nicht.

In einem Brief an die Vereinten Nationen forderte die libysche Regierung eine Aufhebung der Sanktionen. Es habe nur ein "Minimum" an Gewalt gegen "Gesetzesbrecher" gegeben, schrieb Außenminister Mussa Kussa an den UN-Sicherheitsrat. Das Gremium hatte am Samstag einstimmig umfassende Sanktionen gegen Gadhafi und sein Umfeld verabschiedet. Dazu gehören ein Waffenembargo, Reiseverbote und Kontosperrungen.

Der Zugang zum Internet ist in ganz Libyen unterbrochen. Seit Donnerstag seien die Verbindungen wieder gekappt, teilte die auf die Überwachung des Internetverkehrs spezialisierte US-Organisation Arbor Networks mit.