Wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen oppositionelle Demonstranten in Libyen hat die UN-Vollversammlung das nordafrikanische Land aus dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen ausgeschlossen. Die Entscheidung der 192 Staaten umfassenden Vollversammlung in New York fiel am Dienstag einvernehmlich ohne Abstimmung. Libyen war erst vor einem Jahr Mitglied geworden, eine umstrittene Entscheidung.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das Gremium zu "entschlossenem Handeln" aufgefordert. Der Menschenrechtsrat hatte sich bereits am Freitag für einen Ausschluss Libyens aus seinen Reihen ausgesprochen. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution hatte er zudem eine unabhängige Untersuchung der Gewalt gegen Demonstranten in Libyen gefordert. Es war das erste Mal, dass der Menschenrechtsrat so gegen eines seiner Mitglieder vorging. Die Arabische Liga hatte Libyen bereits zuvor von Treffen des Staatenbundes ausgeschlossen.

Für den Ausschluss Libyens aus dem in Genf ansässigen Menschenrechtsrats war ein Beschluss der UN-Vollversammlung nötig. In einer kurzen Debatte in dem Gremium verteidigte niemand die Regierung von Machthaber Muammar al-Gadhafi. Lediglich der venezolanische Botschafter Jorge Valero forderte alle Staaten auf, den "Invasionsplänen" gegen Libyen ein Ende zu setzen. Diese würden von den USA angeführt. US-Botschafterin Susan Rice bezeichnete dies als "bewusste und hässliche Verzerrung" der Tatsachen.

Der britische UN-Botschafter Mark Lyall Grant sagte nach der Sitzung, der Sicherheitsrat könne möglicherweise noch weitere Sanktionen gegen Libyen verhängen. "Wir werden sehen, was vor Ort passiert, und wir werden alle Maßnahmen treffen, die wir für nötig erachten, um auf die Ereignisse dort zu reagieren." Es werde "nichts" ausgeschlossen. Der Sicherheitsrat hatte bereits am Samstag umfangreiche Sanktionen gegen Gadhafi und seine Gefolgschaft verhängt, unter anderem ein Waffenembargo.

Einige Staaten fordern weitere Maßnahmen, etwa eine Flugverbotszone über Libyen, um Regierungsgegner vor möglichen Angriffen der Luftwaffe zu schützen. US-Verteidigungsminister Robert Gates warnte aber am Dienstag, dies wäre eine "außergewöhnlich komplizierte Operation". Die Nato sei uneinig über ein  militärisches Eingreifen.

US-Außenministerin Hillary Clinton warnte vor einem langjährigen Bürgerkrieg in Libyen. "In den kommenden Jahren kann Libyen zu einer friedlichen Demokratie werden oder es könnte in einen langwierigen Bürgerkrieg stürzen", sagte die Ministerin vor einem Kongressausschuss. "Während die gesamte Region im Umbruch begriffen ist, wird eine starke und strategische Antwort der Vereinigten Staaten entscheidend sein." Clinton wiederholte ihre Drohung an Gadhafi, dass die USA "keine Option vom Tisch nehmen, solange die libysche Regierung weiter ihre Waffen gegen das eigene Volk richtet".