Trotz der vom libyschen Regime verkündeten Waffenruhe greifen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gadhafi die Stadt Bengasi an. Nach Angaben von Aufständischen beschossen sie Wohngebiete und  setzten Panzer und Artillerie ein. Das sagte der Vorsitzende der provisorischen Gegenregierung in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera. Es gebe viele Opfer, in den Krankenhäusern herrsche großer Andrang.

Ein Korrespondent von Al-Jazeera sagte, die von Rebellen kontrollierte Stadt sei mit Flugzeugen bombardiert worden, die Lage unübersichtlich. Ein über Bengasi fliegendes Kampfflugzeug sei abgeschossen worden, berichteten Al-Jazeera- und BBC-Korrespondenten. Es war aber unklar, zu wem das Flugzeug gehörte, dessen Einsatz die vom UN-Sicherheitsrat verhängte Flugverbotszone verletzte. Vor wenigen Tagen war ein den Rebellen zugeordnetes Flugzeug abgestürzt.

Arabischen Medien zufolge drangen Gadhafi-Truppen in die südlichen Vorstädte von Bengasi ein. Das Regime in Tripolis stritt ab, die Stadt angegriffen zu haben. Vielmehr seien die Truppen am Rande Bengasis attackiert worden.

US-Präsident Barack Obama drohte Gadhafi mit militärischer Gewalt, sollten seine Truppen nicht umgehend die Kampfhandlungen gegen die Opposition einstellen. Falls Gadhafi der UN-Resolution nicht nachkomme, werde die internationale Gemeinschaft die "Konsequenzen" ziehen. Die Vereinigten Staaten seien "vorbereitet", als Teil einer internationalen Koalition in Libyen einzugreifen.

Die libysche Führung hatte am Freitag als Reaktion auf eine Resolution der Vereinten Nationen eine sofortige Waffenruhe erklärt. Sie warf den Aufständischen dann vor, diese Waffenruhe zu missachten. Die am Donnerstag in New York verabschiedete Resolution erlaubt, eine Flugverbotszone über Libyen und eine Waffenruhe "mit allen nötigen Maßnahmen" durchzusetzen, um Gewalt gegen die Opposition und Zivilisten zu stoppen.

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Die USA, Großbritannien, Frankreich und arabische Länder haben Gadhafi nun ein Ultimatum gestellt. Sie forderten den Machthaber auf, unverzüglich die Waffen ruhen zu lassen. Alle Angriffe auf Zivilisten sollten unverzüglich eingestellt werden, hieß es in einer Mitteilung des Élysée-Palastes in Paris. Die Truppen müssten aus den Schlüsselpositionen Adschdabija, Misurata und Al-Sawija abgezogen werden. Der Vormarsch von Gadhafis Soldaten auf die Rebellenhochburg Bengasi müsse gestoppt werden. Zudem solle dort die Strom-, Gas- und Wasserversorgung wiederhergestellt werden. Die Bevölkerung müsse ferner Zugang zu humanitärer Hilfe erhalten.

"Gadhafi hat genügend Warnungen erhalten, dass er seine Kampagne der Repression stoppen muss oder zur Verantwortung gezogen wird", sagte Obama. "Diese Bedingungen sind nicht verhandelbar", so der Präsident.

Die USA würden in Libyen weder Alleingänge unternehmen noch eine ausdrückliche Führungsrolle einnehmen. "Tatsächlich haben unsere britischen und französischen Alliierten und Mitglieder der arabischen Liga bereits zugesagt, eine Führungsrolle in der Durchsetzung der Resolution zu übernehmen", sagte Obama. Dies sei ein Beispiel, wie die internationale Gemeinschaft funktionieren solle.

Die USA würden keine Bodentruppen in das nordafrikanische Land entsenden, sagte Obama außerdem. Vielmehr würde das US-Militär seine "speziellen Fähigkeiten" zur Verfügung stellen, um der Weltgemeinschaft bei der Durchsetzung einer Flugverbotszone zu helfen. Details ließ er allerdings offen.

Auch die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice sagte dem US-Nachrichtensender CNN, dass Gadhafi die UN-Resolution missachte und er deshalb auch die Konsequenzen zu tragen habe. Die USA und ihre Alliierten seien zum Handeln bereit. Die libysche Regierung bestritt, gegen die Resolution verstoßen zu haben und lud internationale Beobachter ins Land, um die Einhaltung der Feuerpause zu überwachen.

Vertreter der Europäischen und Afrikanischen Union, der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga beraten am Samstag das weitere Vorgehen gegen das Regime in Libyen. An dem Treffen in Paris werden neben UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Außenministerin Hillary Clinton teilnehmen. Deutschland will sich anders als Großbritannien, Spanien, Frankreich oder auch Qatar nicht an Militäraktionen beteiligen.