Der libysche Außenminister Musa Mohamed Kusa hat überraschend einen sofortigen Waffenstillstand sowie die Einstellung aller Kampfhandlungen angekündigt. Wenige Stunden zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat einer Flugverbotszone über Libyen zugestimmt. Kusa verurteilte diese Maßnahme in seiner im Fernsehen übertragenen Erklärung in Tripolis. Libyen sei darüber "sehr traurig". Die Resolution schließt auch andere militärische Maßnahmen ein, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

"Die Republik Libyen unternimmt alles, um die Zivilbevölkerung zu schützen und ihr die benötigte humanitäre Hilfe zukommen zu lassen", sagte Kusa. "Als ein Mitglied der Vereinten Nationen akzeptieren wir es, dass wir verpflichtet sind, Sicherheitsratsresolutionen zu respektieren." Libyen sei bereit zum Dialog, sagte der Minister, ohne zu sagen, ob er damit die Regimegegner oder die UN meint.

Die Worte des Ministers stehen in deutlichem Widerspruch zu den Ankündigungen des libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi. Kurz vor der Entscheidung im Sicherheitsrat hatte dieser in der Nacht zum Freitag gedroht, die Aufständischen-Hochburg Bengasi einzunehmen und "ohne Gnade" gegen "Verräter" vorzugehen. Das Verteidigungsministerium hatte mit Angriffen auf die zivile Seefahrt im Mittelmeer gedroht.

Auch die Küstenstadt Misarata stand am Freitagnachmittag weiterhin unter schwerem Beschuss. "Ja, es gibt Artillerie- und Panzerfeuer", sagte ein Bewohner der Stadt am Telefon dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. "Es gibt keinen Waffenstillstand", sagte er.

Ein Sprecher der Aufständischen-Verwaltung sagte der BBC, dass bei den Angriffen 26 Menschen getötet und 83 weitere verwundet worden. 20 Häuser wurden demnach zerstört. Die Stadt 210 Kilometer östlich von Tripolis befinde sich aber weiter unter Kontrolle der Freiwilligenverbände der Regimegegner.

Die Europäische Union (EU) will den von der libyschen Regierung erklärten Waffenstillstand nach den Worten der Außenbeauftragten Catherine Ashton prüfen. 

Vertreter der 28 Nato-Staaten beraten derzeit weiter über ein militärisches Eingreifen in Libyen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sieht die politischen Bedingungen für einen Nato-Einsatz in Libyen als erfüllt an. Besonders Frankreich und Großbritannien sind zu raschen Einsätzen bereit und haben dabei die USA vermutlich auf ihrer Seite. Frankreich will notfalls auch ohne Nato-Beschluss handeln. Die Regierung in Paris strebt eine Koalition an, die Nato-Länder ebenso wie arabische Staaten wie Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate einschließen könnte.

Deutschland will sich nicht an einem Militäreinsatz beteiligen und enthielt sich der entscheidenden Abstimmung im UN-Sicherheitsrat. Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die Enthaltung und betonte: "Die Enthaltung ist nicht mit Neutralität zu verwechseln." Deutschland teile die Ziele der Resolution uneingeschränkt.

Merkel hat jedoch die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands zur Beteiligung der Bundeswehr an einem Awacs-Einsatz in Afghanistan erklärt. Deutsche Soldaten könnten die Steuerung von Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan übernehmen, damit Nato-Einheiten für einen Einsatz über Libyen frei werden – dafür wäre jedoch ein Bundestagsmandat nötig. Die Bundesregierung führt mit der Nato dazu bereits Gespräche.