Die Europäische Union (EU) will den von der libyschen Regierung erklärten Waffenstillstand nach den Worten der Außenbeauftragten Catherine Ashton prüfen. Die EU kenne die Ankündigung der Regierung in Tripolis und werde nun "die Einzelheiten" untersuchen, sagte Ashton.

Auch die US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich skeptisch. "Wir müssen Taten sehen", sagte sie. Beweis für ein Einlenken Gadhafis wäre etwa ein Rückzug aus dem Osten Libyens, der Hochburg der Rebellen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Mitgliedsstaaten auf, sich an der Umsetzung der vom Sicherheitsrat beschlossenen Libyen-Resolution zu beteiligen. Mit dieser "historischen" Resolution habe die internationale Gemeinschaft ihre Entschlossenheit bewiesen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. "Es ist eine schwierige Situation, in der weiter Tausende Menschenleben in Gefahr sind", sagte er.

Ban kündigte an, dass er am Samstag nach Paris reisen werde, um an einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie mit anderen europäischen sowie arabischen und afrikanischen Führern teilzunehmen. Dabei werde es um die Umsetzung der UN-Resolution und den Schutz der libyschen Bevölkerung gehen.

Vertreter der 28 Nato-Staaten beraten derzeit weiter über ein militärisches Eingreifen. Bis zum Wochenende wollen sie alle Vorbereitungen für einen Militäreinsatz abgeschlossen haben. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte, die Planungen dazu befänden sich in der Endphase. Dabei gehe es ausschließlich um die Absicherung einer Flugverbotszone, erklärte ein Diplomat. Eine Beteiligung des Militärbündnisses an etwaigen Luftschlägen gegen die Bodentruppen Gadhafis sei bisher nicht vorgesehen.

Besonders Frankreich und Großbritannien sind zu raschen Einsätzen bereit und haben dabei die USA vermutlich auf ihrer Seite. Frankreich will notfalls auch ohne Nato-Beschluss handeln. Die Regierung in Paris strebt eine Koalition an, die Nato-Länder ebenso wie arabische Staaten wie Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate einschließen könnte.

Italien will die Resolution des UN-Sicherheitsrats gegen Libyen aktiv unterstützen. Man sei bereit, Militärbasen sowie Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, sagte Außenminister Franco Frattini. Verteidigungsminister Ignazio La Russa schloss auch andere Interventionen nicht aus, jedoch ohne diese genauer zu spezifizieren. Italienische Medien sprachen in diesem Zusammenhang von einem möglichen Einsatz gegen libysche Radar- und Flugabwehr-Stationen. Zudem kündigte Frattini die Schließung der italienischen Botschaft in Tripolis an.

Deutschland will sich nicht an einem Militäreinsatz beteiligen und enthielt sich der entscheidenden Abstimmung im UN-Sicherheitsrat. Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die Entscheidung und sagte: "Die Enthaltung ist nicht mit Neutralität zu verwechseln." Deutschland teile die Ziele der Resolution uneingeschränkt.

Merkel hat jedoch die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands zur Beteiligung der Bundeswehr an einem Awacs-Einsatz in Afghanistan erklärt. Deutsche Soldaten könnten die Steuerung von Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan übernehmen, damit Nato-Einheiten für einen Einsatz über Libyen frei werden – dafür wäre jedoch ein Bundestagsmandat nötig. Die Bundesregierung führt mit der Nato dazu bereits Gespräche. Die Bundesregierung will bereits in der kommenden Woche ein Mandat für eine deutsche Beteiligung am Awacs-Einsatz der Nato in Afghanistan vorlegen. Das Kabinett wolle das Mandat nächste Woche beschließen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

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Möglicherweise ist das deutsche Angebot gar nicht nötig: Die USA verfügen über 34 Awacs, Großbritannien und Frankreich über 7 beziehungsweise 4. Die in Deutschland stationierten Nato-Awacs müssten somit nicht unbedingt eingesetzt werden. Frankreich könnte eine Basis in Solenzara auf der Mittelmeerinsel Korsika nutzen. Die USA und Großbritannien könnten ihre Flieger von dem Militärflughafen Sigonella auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien Richtung Libyen starten lassen. Großbritannien verfügt auch über Luftwaffenbasen auf Zypern sowie Malta. Die Regierung in London wollte noch am Freitag Kampfflugzeuge vom Typ Tornado und Eurofighter zu Einsatzbasen verlegen.

Kanada, Norwegen, Belgien und Dänemark haben ebenfalls ihre Bereitschaft zur Beteiligung an einem Einsatz bekundet. Belgien bot am Freitag den Einsatz von sechs Kampfflugzeugen F-16 an, die in Griechenland stationiert sind, sowie einer Fregatte, die in der Mittelmeerregion unterwegs ist. Kanada könnte Medienberichten zufolge sechs F-18-Flugzeuge schicken. In Dänemark müsste das Parlament einem Einsatz noch zustimmen. Polen will logistische Hilfe leisten, Spanien Flughäfen bereitstellen.

Die EU-Staaten haben sich auch auf weitere Sanktionen gegen Libyen geeinigt. Auf Expertenebene wurde eine Liste mit elf Vertretern der libyschen Führung sowie neun Wirtschaftseinheiten wie Banken und Unternehmen beschlossen, deren Vermögen in der EU eingefroren werden soll, wie EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel mitteilten. Den Vertretern aus dem Umkreis von Machthaber Gadhafi wird zudem die Einreise verweigert. Die Sanktionen könnten bereits am Montag bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel offiziell beschlossen werden.