Die türkische Regierung hat einer Führung des Libyeneinsatzes durch die Nato zugestimmt. Außenminister Ahmet Davutoglu habe erklärt, Bedingungen der Türkei für diesen Einsatz seien nun erfüllt, berichtete das türkische Staatsfernsehen TRT.

Davutoglu hatte zuvor mit seinen Kollegen aus den USA, Frankreich und Großbritannien telefoniert. Die Luftangriffe des Bündnisses dieser drei Länder wurden bisher von den USA koordiniert. Die Übergabe der Führung an die Nato solle nun "so schnell wie möglich" geschehen, sagte Davutoglu.

Ein Nato-Diplomat in Brüssel bestätigte die Angaben und sagte, das Kommando solle am "Montag oder Dienstag" auf die Militärallianz übergehen. US-Vizeadmiral William Gortney sagte, das Kommando des Einsatzes werde "frühestens am Wochenende übergeben". Danach werde sich das US-Militärs stufenweise zurückziehen.

Über Details der Einigung und über die zukünftige Aufgabenverteilung gab es hingegen nur wenige Angaben. Die politische Oberaufsicht soll – wie von Frankreich verlangt – ein ständiger Leitungsausschuss führen. In diesem Ausschuss sind alle Regierungen vertreten, die an dem Einsatz teilnehmen, also auch Nicht-Nato-Staaten. Ein erstes Treffen dieser Gruppe ist für den 29. März in London geplant.

Die Nato diskutiert seit Tagen über die Rolle, die sie bei der Durchsetzung der UN-Resolution 1973 zu Libyen einnehmen soll. Besonders die Türkei hatte aber bislang Vorbehalte gegen die Bombardierungen durch die bisherige Koalition. Ankara hatte zunächst gefordert, dass die Mitglieder der westlichen Koalition sämtliche Militäraktivitäten gegen Libyen einstellten. Wenn dann die Nato die Leitung der Operation übernehme, so müsse sie sich auf die Einhaltung des Flugverbots beschränken.

Frankreich und Großbritannien hatten diese Forderungen abgelehnt, von diesen beiden Ländern und den USA waren die Luftangriffe bisher koordiniert worden.

Eine Kommando-Übernahme der Nato bedeutet indes nicht, dass alle Mitglieder des Bündnisses daran teilnehmen müssen. Deutschland beispielsweise hat mehrfach klar gemacht, dass Bundeswehrsoldaten nicht in Libyen eingesetzt werden sollen. Im UN-Sicherheitsrat hatte Deutschland sich bei der Abstimmung über die Libyen-Resolution gemeinsam mit Russland, China, Indien und Brasilien der Stimme enthalten.