Großbritannien, Frankreich und die arabischen Staaten drängen im UN-Sicherheitsrat auf eine Flugverbotszone über Libyen. Am Mittwoch soll in dem Gremium über einen neuen Resolutionsentwurf der beiden europäische Staaten und des Libanon beraten werden, der nach Angaben von Diplomaten "alle Flüge" über Libyen verbieten und "alle notwendigen Mittel, um dies durchzusetzen" erlauben sollte. Diplomaten rechnen aber nicht vor Donnerstag mit einer Abstimmung.

Die Resolution soll Staatschef Muammar al-Gadhafi von weiteren Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung abhalten. Der erste Teil des Resolutionsentwurfs, in dem die Flugverbotszone gefordert wird, stammt vom Libanon. Das Land handelt im UN-Sicherheitsrat als Vertreter der Arabischen Liga, die bereits am Samstag eine Flugverbotszone über Libyen gefordert hatte.

Der zweite Teil wurde von Großbritannien und Frankreich geschrieben, dabei geht es um härtere Sanktionen gegen Gadhafi und sein Umfeld. Im UN-Sicherheitsrat gelten vor allem China und Russland als Gegner einer Flugverbotszone. Aber auch die USA und Deutschland haben sich skeptisch gezeigt. Auch die Außenminister der größten Industriestaaten (G8) hatten sich zuvor bei einem Treffen in Paris nicht auf eine Flugverbotszone einigen können.

Unterdessen gehen im Osten Libyens die schweren Kämpfe zwischen Gadhafis Truppen und Regimegegnern weiter. Rund um die Stadt Adschdabija tobten am Dienstagabend heftige Gefechte. Während die Regierung in Tripolis neue Gebietsgewinne verkündete, behaupteten die Rebellen, sie hätten die Angreifer aus Adschdabija vertrieben. Ihren Angaben zufolge nahmen sie zahlreiche Soldaten gefangen.

Ein regierungsnaher libyscher Fernsehsender meldete dagegen, die Gadhafi-Truppen seien schon auf dem Weg in die von Rebellen kontrollierte Stadt Bengasi, die zweitgrößte Stadt Libyens. Ein Regierungsvertreter dementierte Berichte der Rebellen über einen Angriff und einen Brand auf dem Militärstützpunkt Bab al-Asisija in Tripolis, wo sich Gadhafi, seine Familie und seine Getreuen aufhalten sollen.

Die USA verhängten unterdessen weitere Wirtschaftssanktionen gegen das Gadhafi-Regime. Das Vermögen des libyschen Außenministers Mussa Kussa sei eingefroren worden, teilte das US-Finanzministerium mit. Auch für 16 Unternehmen unter Gadhafis Kontrolle seien die neuen Sanktionen gültig. US-Bürger dürften mit den Firmen im Öl-, Energie-, Banken-, Luftverkehr- und Investmentsektor keine Geschäfte mehr machen.

Washington hatte bereits zuvor 32 Milliarden Dollar (rund 22,9 Milliarden Euro) einfrieren lassen, die Gadhafi und seine Getreuen auf Konten in den USA angelegt hatten. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Sanktionen als Mittel, den Rücktritt des Diktators zu forcieren.