Ohne Wasser gibt es kein Leben, keine landwirtschaftliche oder industrielle Produktion und keine Energieversorgung. Eine banale Weisheit, die auch 19 Jahre nach der Gründung des UN-Weltwassertages am 22. März wahr bleibt. Doch Wasservorkommen haben auch geopolitische Bedeutung – etwa wenn Flüsse mehrere Staaten durchfließen. Wasser gilt heute als umkämpfter Rohstoff. Und dabei ist es schon fast zum Gemeinplatz geworden, dass ein Land dem anderen das Wasser abgräbt. Aber stimmt das auch?

Wasserversorgung und Staudämme 

Natürlich gibt es einen Wettbewerb um knappe Wasserressourcen. Die Wasserversorgung für die landwirtschaftliche Produktion beispielsweise kann durch die Nutzung am Oberlauf eines Flusses erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Staaten im Winter Elektrizität produzieren und die Unteranlieger das aufgestaute Wasser im Sommer für die Bewässerung brauchen. Das ist Kern des Konflikts am Flusssystem des Amudarja und Syrdarja in Zentralasien. Oder wenn beide – Ober- und Unteranlieger – Wasser für die Bewässerung nutzen wollen, so wie die Türkei und Syrien am Euphrat.

In der Mehrzahl der Konflikte an den über 260 grenzüberschreitenden Flüssen ist jedoch die Trinkwasserversorgung der rund 40 Prozent der Weltbevölkerung, die in den Einzugsgebieten dieser Flüsse leben, nicht gefährdet, ebenso wenig wie die Brauchwasserversorgung der Industrie. Wenn die Bevölkerung Indiens kein Wasser zum Trinken hat, dann nicht, weil China oder Nepal der indischen Bevölkerung das Wasser abgraben.  Der Grund ist, dass die für die Wasserversorgung zuständigen Stellen notwendige Investitionen unterlassen und dadurch Knappheit verursachen.

Wachsender Energiebedarf

An vielen grenzüberschreitenden Flüssen ist die steigende Nachfrage nach Energie und damit vor allem der Bau von Speicherwasserkraftwerken Anlass für Konflikte. Wasserkraft ist die am besten entwickelte, nicht-fossile Form der Stromproduktion und Bestandteil der in vielen Ländern verfolgten Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels. James P. Leape, Generaldirektor von WWF International, behauptet in einem 2011 erschienen Bericht, dass wir 2050 sämtliche benötigte Energie aus erneuerbaren Energien beziehen können – Wasserkraft eingeschlossen. Doch davon ist man heute noch weit entfernt. Das World Energy Book (2007) schätzt, dass weltweit 1,6 Milliarden Menschen nicht an die Elektrizität angeschlossen sind und dass 2,5 Milliarden Menschen traditionelle Biomasse zum Kochen und Heizen benutzen.