Kurz nach der Festnahme des gestürzten ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak hat ein Verwaltungsgericht in Kairo die Auflösung der früheren Regierungspartei angeordnet. Das Geldvermögen und die Immobilien der Nationaldemokratischen Partei (NDP) sollen beschlagnahmt werden. "Ihr Hauptsitz und ihre Gebäude werden der Regierung übereignet", hieß es aus Kreisen der Justiz.

Seit dem Sturz Mubaraks am 11. Februar hatte die NDP versucht, ihr politisches Überleben zu sichern. Die Restpartei wollte eigentlich bei der für September vorgesehenen Parlamentswahl erneut antreten. Mehrere bereits aus der Partei ausgetretene Mitglieder planten nach dem Umsturz die Gründung neuer Parteien. Viele ehemalige und aktuelle NDP-Funktionäre sehen sich jedoch mit Korruptionsermittlungen konfrontiert oder wurden bereits festgenommen.

Mit der Auflösung der Partei reagierte das Gericht nun auf eine der Forderungen der ägyptischen Demokratiebewegung. Die Aktivisten der Protestbewegung hatten befürchtet, dass ein Weiterbestand der NDP angesichts ihres Geldes und ihrer Geschäftsverbindungen dazu führen könnte, dass Teile des alten Systems schleichend restauriert werden. Zudem hatten Schlägertrupps der Partei die Demonstranten in der Vergangenheit immer wieder tätlich angegriffen und einige von ihnen sogar getötet.

Aus der Gerichtsverhandlung wurde berichtet, dass NDP-Gegner in Sprechchören das Verbot der Partei forderten. "Die NDP ist illegal", riefen sie demnach.

Die Partei Mubaraks hatte das politische Geschehen in Ägypten in den vergangenen 30 Jahren dominiert. Durch offensichtliche Manipulationen gewann sie zahlreiche Wahlen. Viele Immobilien hatte sich die NDP teilweise noch unter ihrem Gründungsvorsitzenden, dem früheren ägyptischen Staatschef Anwar el Sadat, durch Enteignungen einverleibt. Daher sind zahlreiche Rückgabeklagen privater Eigentümer gegen die NDP anhängig. Mubarak und seine beiden Söhne werden auch der Korruption im Zusammenhang mit NDP-Machenschaften verdächtigt.

Nach Mubaraks Sturz wurde Talaat el Sadat, ein Neffe des Parteigründers, zum neuen NDP-Vorsitzenden bestimmt.

Mubarak selbst war am Mittwoch für 15 Tage in Untersuchungshaft genommen worden, da gegen ihn wegen des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten ermittelt wird. Tags zuvor hatte er bei einem Verhör offenbar einen Herzinfarkt erlitten. Der 82-Jährige hielt sich seither zusammen mit seiner Frau in einem Krankenhaus in Scharm el Scheich auf. Am Samstag wurde er jedoch in ein Militärkrankenhaus 40 Kilometer östlich von Kairo verlegt, wie das Nachrichtenportal almasryalyoum berichtete.

Mubaraks Sohn Gamal, der die Geschicke der NDP während der vergangenen zehn Jahre aus dem Hintergrund heraus maßgeblich gelenkt hatte, wurde zeitgleich mit seinem Vater festgenommen. Er sitzt gemeinsam mit seinem Bruder in einem Militärgefängnis in Kairo in Untersuchungshaft.