Im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden Afghanistans hat es einen tödlichen Angriff gegeben: Wütende Demonstranten attackierten das UN-Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Dabei wurden mindestens dreizehn Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Nach Angaben der Polizei sind unter den Todesopfern acht ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen, unter ihnen fünf Wachmänner aus Nepal. Einige der UN-Mitarbeiter sollen enthauptet worden sein.

Die Demonstration mit rund 500 Teilnehmern hatte nach dem Freitagsgebet an einer Moschee begonnen. Wenige Stunden später erreichte die Menge den Sitz der UN-Mission in Afghanistan (Unama) und attackiert es. Demonstranten hätten das Büro in Brand gesteckt und Wachmänner und Polizisten, die das Gelände sicherten, mit Steinen beworfen. Einige der Angreifer sind bereits bewaffnet gewesen, andere hatten Waffen der Wachleute an sich genommen. Angaben der Polizei zufolge hatten sich auch Taliban unter die Demonstranten gemischt.

Die Nachricht über den Tod der Kollegen wurde im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York "mit Entsetzen" aufgenommen. Generalsekretär Ban Ki Moon ziegte sich bestürzt über die Gewalt "gegenüber den Menschen, die beim Aufbau des Landes helfen wollen". Unama-Sprecher Dan Norton sagte, die Lage sei unübersichtlich, man arbeite an der Aufklärung und kümmere sich um das Personal. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura sei auf dem Weg nach Masar-i-Scharif.

Der Unmut der Demonstranten richtete sich gegen eine öffentliche Verbrennung eines Koran-Exemplars in einer Kirche in Florida vor zwei Wochen. In Anwesenheit des umstrittenen radikalen Pastors Terry Jones hatte eine Gemeinde einen "Prozess" gegen die Heilige Schrift des Islam inszeniert, den Koran für "schuldig" befunden und schließlich zur "Hinrichtung" durch Verbrennung verurteilt.

Auch in Kabul gab es dagegen am Freitag Proteste. Etwa 200 Protestierende zogen nach dem Freitagsgebet zur US-Botschaft. Sie zündeten eine US-Flagge an und riefen "Tod Amerika". Vorangegangen war die emotionale Rede eines Mullahs. Die Proteste richteten sich auch gegen die Pläne der USA, langfristig Stützpunkte in Afghanistan zu unterhalten.