Der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, hat die Belagerung seiner Residenz in Abidjan durchbrochen. Auch mit Unterstützung angolanischer Soldaten eroberte der international isolierte Anführer einen Teil der Wirtschaftsmetropole zurück. Das teilte UN-Untergeneralsekretär Alain Le Roy in New York mit.

Le Roy hatte am Freitagabend Gbagbos Truppen vorgeworfen, sie hätten mit ihrem Waffenstillstandsangebot nur Zeit gewinnen wollen, um ihre Truppen neu zu formieren. Die von den Spitzen von Armee, Polizei und Präsidentengarde zuvor angekündigte Feuerpause sei nur "ein Trick" gewesen. Gbagbo wird nach Informationen des französischen Rundfunksenders Europe 1 von angolanischen Elite-Soldaten unterstützt. Zuvor hatten die Truppen des Wahlsiegers Alassane Ouattara große Teile Abidjans unter ihre Kontrolle gebracht und Gbagbo in dessen Residenz umzingelt.

Die andauernden Kämpfe, Lebensmittelknappheit und Ausgangssperren verschärften die Not der etwa vier Millionen in Abidjan noch verbliebenen Einwohner. Hilfsorganisationen haben wegen der angespannten Sicherheitslage kaum Zugang zu den Menschen. Menschenrechtsorganisationen fürchten zudem zunehmend Vergeltungsschläge gegen politische Gegner, nachdem auch Ouattaras Truppen Massaker an Zivilisten verübt haben sollen. Zuvor waren bereits zahlreiche Übergriffe von Gbagbos Sicherheitsdienst auf Zivilisten in Stadtteilen bekannt geworden, in denen viele Ouattara-Anhänger leben.

Die EU hob einen Teil ihrer Sanktionen gegen die Elfenbeinküste auf. Damit sollten die "legitimen" Kräfte der Regierung des international als Wahlsieger anerkannten Ouattara gestärkt werden, hieß es am Samstag in einer Mitteilung des Ministerrates in Brüssel. Die Häfen von Abidjan und San Pedro, eine Raffinerie und die Behörde für den Kakaoexport wurden von einer Liste von Unternehmen genommen, deren Vermögen in der EU bisher eingefroren waren. Damit können auch wieder Zahlungen an diese Unternehmen geleistet werden.

Wahlsieger Ouattara hatte um eine Aufhebung der Sanktionen gebeten, um die Wirtschaft des westafrikanischen Landes nach monatelangem blutigem Machtkonflikt wieder aufzubauen. Andere Sanktionen gegen den abgewählten Präsidenten Gbagbo und dessen Vertraute – beispielsweise Einreiseverbote und das Einfrieren von Konten – bleiben in Kraft.