Seinen Kampf um die Macht hat er offenbar verloren – politisch wie militärisch. Doch der unterlegene, aber noch immer amtierende Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, will seinen Platz an der Spitze des Landes nicht räumen. Auch seine noch verbliebenen Anhänger kämpfen weiter: In der Wirtschaftsmetropole Abidjan liefern sie sich erbitterte Gefechte mit den Republikanischen Truppen (FRCI) des Wahlsiegers Alassane Ouattara.

Davon berichtete dessen Sprecher Patrich Achi in einem Telefoninterview des Senders BBC. Vor allem in der Gegend des Präsidentenpalasts sowie nahe der Residenz des Staatsoberhaupts und bei einem Militärcamp werde noch immer gekämpft. Der Rest des Landes sei unter Kontrolle der FRCI.

Gbagbo allerdings will standhaft bleiben. "Der Präsident wird nicht zurücktreten", sagte sein Sprecher Abdon Georges Bayeto. Offenbar bereitet er eine TV-Ansprache vor. Entsprechende Angaben machte sein Europa-Vertreter Toussaint Alain in Paris. "Er wird nicht zurücktreten oder seine Macht abgeben. In den kommenden Stunden wird er der Opposition ein Angebot unterbreiten", sagte er Reuters TV.

Unklar war am Freitag der Aufenthaltsort des 65-Jährigen. Der abgewählte Präsident des westafrikanischen Landes scheine in der Nacht den Präsidentenpalast verlassen zu haben, berichtete die Zeitung Le Monde. Eine Flucht ins Ausland wäre nur schwer möglich, da Ouattara die Grenzen hat schließen lassen. Die UN-Truppen haben derzeit den Flughafen Abidjans unter Kontrolle.

Ouattara seinerseits wandte sich in einer Fernsehsprache an die Armee und forderte sie auf, die Waffen niederzulegen und einen Bürgerkrieg zu vermeiden. "Ich rufe sie auf, sich ihrem Land zur Verfügung zu stellen und zur Legalität zurück zu kehren", sagte er im Sender TCI.

Seit dem späten Donnerstagabend sendete der staatliche Fernsehsender kein aktuelles Programm mehr, sondern strahlte nur noch Dokumentarsendungen aus. Viele Abidjaner in den Stadtteilen, die mehrheitlich Ouattara unterstützen, verbrachten die Nacht am Radio oder vor dem Fernseher, um sich über die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten. 

In den vergangenen Tagen hatten Ouattaras Truppen fast das ganze Land bis auf wenige Hochburgen Gbagbos eingenommen, dessen Machtbasis erodiert zusehends. Ein namentlich nicht genannter Offizier sagte: "Die Polizei und etwa 50.000 Soldaten haben ihre Posten aufgegeben. Für Gbagbo kämpfen nur noch etwa 2000 Mann aus Republikanischer Garde und bewaffneten Studenten". Auch ein Sprecher der UN-Friedenstruppen Unoci sprach von rund 50.000 Soldaten und Offizieren, die übergelaufen seien oder die Waffen niedergelegt hätten.

Gbagbo weigert sich, trotz der Wahlniederlage im November 2010, die Macht dem international anerkannten Wahlsieger Ouattara zu übergeben. Dabei geht er seit Monaten mit Waffengewalt gegen seine Widersacher vor und attackiert auch die UN-Friedenssoldaten im Land. Nach dem monatelangen politischen Tauziehen zwischen Ouattara und Gbagbo hatte das schnelle Vorrücken der Republikanischen Kräfte viele überrascht. Am Mittwoch hatten sie auch die Hauptstadt Yamoussoukro unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte angesichts der anhaltenden Kämpfe vor einer "humanitären Katastrophe" in Abidjan. Nach UN-Schätzungen haben die Kämpfe zwischen den Anhängern von Gbagbo und Ouattara bisher etwa 500 Todesopfer gefordert. Etwa eine Million Menschen seien auf der Flucht.

Die UN warnten Ouattara eindringlich vor Menschenrechtsverletzungen. Es gebe "unbestätigte Berichte" über "schwere Menschenrechtsverstöße", sagte ein Sprecher von UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay in Genf. Ihnen würden Plünderungen, Erpressungen, Entführungen, willkürliche Festnahmen und Misshandlungen von Zivilisten vornehmlich im Westen der Elfenbeinküste vorgeworfen. Aus Abidjan gebe es Berichte über "mehrere getötete Zivilisten".