Für Laurent Gbagbo, den abgewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, wird es eng. Die Truppen seines international anerkannten Rivalen Alassane Ouattara hätten in der Wirtschaftsmetropole Abidjan die Residenz Gbagbos angegriffen, sagte ein Sprecher Ouattaras dem US-Nachrichtensender CNN. Die staatliche Fernsehanstalt sei bereits unter ihrer Kontrolle. Es werde nur noch "Stunden vielleicht Tage" dauern, bis Gbagbo stürzen werde.

Auch aus der Nähe des Präsidentenpalasts wurden schwere Gefechte gemeldet. Gbagbo kann dabei offenbar nicht mehr auf die Armee zählen. Der Chef der UN-Mission in der Elfenbeinküste (Unoci), Choi Young Jin, sagte dem Sender France Info, 50.000 Polizisten und Gendarmen seien desertiert. Gbagbo habe nur noch die Republikanische Garde und seine Spezialeinheiten zur Verfügung, die er um den Präsidentenpalast und seine Residenz postiert habe. Die Blockade eines Hotels in Abidjan, das Ouattara als Basis diente, sei aufgehoben, fügte Choi hinzu.

UN-Soldaten übernahmen die Kontrolle über den Flughafen von Abidjan. Der an der Spitze von etwa 100 Soldaten stehende Flughafenchef habe friedlich seinen Posten geräumt, sagte ein Unoci-Sprecher. Ouattaras Einheiten hatten zuvor bereits den weltweit größten Kakao-Exporthafen San Pedro eingenommen, auch die Hauptstadt Yamoussoukro ist unter ihrer Kontrolle. Ouattaras Regierung ordnete zudem die Schließung aller Land-, Luft- und Seegrenzen des Landes an, wie CNN berichtete. Außerdem wurde eine nächtliche Ausgangssperre über Abidjan verhängt.

Gbagbo weigert sich trotz seiner Wahlniederlage im vergangenen November, die Macht an Ouattara zu übergeben, den die internationale Gemeinschaft als Sieger der Präsidentschaftswahl betrachtet. Seit dem Beginn der Krise wurden durch die Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern fast 500 Menschen getötet. Die UN schätzt, dass etwa eine Million Menschen vor den Kämpfen auf der Flucht sind. Alle Vermittlungsversuche scheiterten bislang, die UN-Resolution vom Mittwoch, die Sanktionen gegen Gbagbo und sein Umfeld vorsieht, blieb bislang ohne Wirkung.

Auch jetzt zeigte sich Gbagbo trotz des Vormarsches der Truppen Ouattaras unbeeindruckt. Am Donnerstagabend ließ er ein Ultimatum für seinen Rücktritt verstreichen. Sein Vertrauter Alain Toussaint sagte dem Sender France 24, der Präsident werde nicht abdanken und sich auch nicht einigen Rebellen ergeben. Ouattaras Regierungschef Guillaume Soro sagte, für den Fall, dass Gbagbo nicht auf das Ultimatum reagiere, würden "wir ihn leider dort holen, wo er sich befindet". Er müsse sich ergeben, "damit ein Blutbad verhindert" werde. Wenn er zurücktrete, sei es gut, wenn nicht, werde er "der internationalen Justiz überstellt".

Die US-Regierung warnte Gbagbo vor den Konsequenzen seiner Uneinsichtigkeit. Gbagbo werde für alles, was in Abidjan geschehe, zur Rechenschaft gezogen, wenn er nicht zurücktrete. Noch habe er die Gelegenheit dazu, sagte der Abteilungsleiter für Afrika im Außenamt, Johnnie Carson. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte vor einer "humanitären Katastrophe" in Abidjan. "Die Konfliktparteien müssen sofort damit aufhören, die Zivilbevölkerung ins Visier zu nehmen", forderte die Organisation.