Die konservative Nationalpartei des derzeitigen Finanzministers Jyrki Katainen hat nach Auszählung gut eines Drittels der Stimmen den Prognosen nach die Parlamentswahl in Finnland gewonnen. Katainen wird wahrscheinlich neuer Regierungschef. Seine Partei kam auf 20,2 Prozent und überholte damit das Zentrum von Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi. Die bäuerlich-liberale Partei der Regierungschefin erhielt 17,3 Prozent der Stimmen und ist damit die klare Verliererin. 2007 hatte das Zentrum mit 23,1 Prozent die Wahl gewonnen.

Überraschend stark schloss die nationalistische Partei Wahre Finnen ab, die den ersten Teilergebnissen nach auf den dritten Platz kam. Die betont EU-kritische und rechtspopulistische Partei kam auf 18,6 Prozent. Sie konnte damit ihre Stimmenzahl bei den letzten Wahlen 2007 (4,1 Prozent) mehr als vervierfachen.

Katainen und auch Kiviniemi hatten im Wahlkampf stets erklärt, sie seien bereit zu einer Regierungszusammenarbeit mit Timo Soini (48), dem Chef der Wahren Finnen. Dessen Partei verlangt Verschärfungen bei der Ausländerpolitik, das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen sowie ein umfassendes Abtreibungsverbot. Außerdem sind die Wahren Finnen strikt gegen den EU-Stabilitätspakt mit Hilfen an überschuldete Länder wie Griechenland, Irland und Portugal.

Als dritte der traditionell größten finnischen Parteien kamen die oppositionellen Sozialdemokraten auf 19,4 Prozent. Sie stellen damit im neuen Reichstag die zweitstärkste Fraktion. Die Partei mit ihrer Spitzenkandidatin Jutta Urpilainen verlor aber wie auch die Konservativen Stimmen durch den Erfolg der Rechtspopulisten.

Es zeichnete sich eine deutliche Steigerung der Wahlbeteiligung von zuletzt 67,9 Prozent (2007) ab. Wahlforscher schreiben dies ebenfalls einer Mobilisierung durch die Populisten zu. Die bisher mitregierenden Grünen kamen nach den ersten Trendmeldungen auf 6,4 Prozent gegenüber bisher 8,5 Prozent. Sie schließen als einzige Partei eine Zusammenarbeit mit den Wahren Finnen aus.

In der Koalition unter Kiviniemis Führung war neben dem Zentrum und den Konservativen auch die kleine liberale SVP (Partei der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland) vertreten. Sie erhielt 3,5 Prozent von den zuerst ausgezählten Briefstimmen. Die Linkspartei kam auf 8,3 Prozent (-0,5) und die Christdemokraten auf 4,3 Prozent (-0,6). Das vorläufige Endergebnis wurde für den späten Sonntagabend erwartet.