Seit Jahresbeginn halten uns zwei Ereignisse in Atem, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen: Die arabischen Revolten und seit dem 11. März die Atomkatastrophe in Japan in Folge des Bebens und des Tsunamis. Doch beide Ereignisse hängen direkt mit unserer zukünftigen Energieversorgung zusammen.

So erschien vor dem 11. März noch undenkbar, was nach Fukushima plötzlich möglich wurde: Die gleichzeitige und kurzfristige Abschaltung der ältesten deutschen Kernkraftwerke. Noch am 17. Februar dieses Jahres warnte RWE-Chef Jürgen Großmann, dass die "Brücke" Kernenergie "nicht zu kurz sein (darf), sonst bricht sie zusammen". Und noch am 8. März 2011 hat das Bundeswirtschaftsministerium in Straßburg ein Gutachten vorgestellt, in dem als Schreckgespenst das Ende des Industriestandortes Deutschland an die Wand gemalt wird, falls die EU ihr CO2-Reduktionsziel einseitig auf 30 Prozent steigern würde.

Umso mehr muss man sich daher die Frage stellen, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze beschleunigt werden kann. Dabei ruhen viele Hoffnungen auf den Regionen des Nahen Ostens und Nordafrikas (Middle East and North Africa – MENA) mit ihren großen Potentialen für Wind- und Sonnenenergie.

Auswirkungen der arabischen Revolten auf den Strom aus der Wüste

Die Umbrüche im Nahen Osten führten bisher zum Machtverlust zweier seit Jahrzehnten autokratisch herrschenden Präsidenten. Alarmiert reagieren daher die noch herrschenden Potentaten mit Gewalt, Reformversprechen und Wohltaten für das Volk. Zu diesen großzügigen Wohltaten für den Machterhalt zählen auch massive Subventionen auf Öl und Gas. Doch gerade durch diese Ausweitung der Subventionsprogramme für kohlenstoffbasierte Treibstoffe und Energien könnten die ambitionierten Pläne für Strom aus der Wüste – der Mittelmeer-Solarplan und die Desertec Industrial Initiative (DII) – ins Stocken geraten.

Bereits vor den Aufständen in Nahost beliefen sich die weltweiten fossilen Energiesubventionen im Jahr 2009 auf 312 Milliarden US-Dollar. Erneuerbare Energien (EE) hingegen sind kapitalintensive Investitionen mit geringen Folgekosten, während bei den konventionellen Energien über die gesamte Lebensdauer Kosten für den Primärenergieträger anfallen. Je höher also die Subventionen auf fossile Primärenergieträger sind, desto größer wird der Unterschied zu den Energieumwandlungskosten für Strom bei den erneuerbaren Energien. Hinzu kommt, dass die Subventionen den Anreiz für Energieeffizienzmaßnahmen nehmen.

Ein wichtiger Aspekt für die Umsetzung von EE-Projekten sind darüber hinaus sichere rechtliche und administrative Rahmenbedingungen. Nichts fürchtet ein Investor mehr als sogenannte stranded investments , Investitionen, die nicht notwendig waren. In Deutschland sowie 50 weiteren Ländern gibt es durch das Prinzip der degressiven Einspeisetarife diese sicheren Rahmenbedingungen. Auch in den MENA-Ländern wären nationale Einspeisetarife für die Finanzierung von EE-Projekten hilfreich, doch nach den politischen Revolten und der massiven Ausweitung der Subventionsprogramme für konventionelle Energien ist deren Einführung eher unwahrscheinlich. Ein Ausweg könnten die Regelungen der EU-Erneuerbare-Energien-Direktive von 2009 sein, die auch den Import von Ökostrom aus Nicht-EU-Ländern ermöglicht und regelt. Dann stellt sich allerdings die Frage, inwieweit neue EE-Kapazitäten wirklich für die Stromversorgung der ärmeren Wüstenländer selbst errichtet werden oder ob sie nicht von vornherein nur Einnahmen aus dem Stromexport erbringen sollen.