Rivalisierende Protestzüge sind am Freitag durch die jemenitische Hauptstadt Sanaa gezogen. Noch vor Beginn der Freitagsgebete versammelten sich in der Hauptstadt Zehntausende Regierungsgegner, um gegen Salih zu protestieren. Auf dem Taghier-Platz sagte ein muslimischer Geistlicher zu den Demonstranten: "Unsere Revolution ist friedlich und wird friedlich bleiben." Mit der Starrsinnigkeit, mit der er sich gegen seinen Rücktritt sträube, fordere Salih "die Geduld und den starken Willen" der Protestbewegung heraus. Einen geplanten Marsch zum Präsidentenpalast hatte die Opposition abgesagt, um eine weitere Zuspitzung der Lage zu verhindern.

Der bedrängte Staatschef mobilisierte seine eigenen Anhänger zu einer Sympathie-Kundgebung auf einem einige Kilometer entfernten Platz. In einer kurzen Ansprache rief Salih vor Tausenden Regierungsanhängern: "Ich schwöre Euch, dass ich mein Blut und meine Seele und alles mir Kostbare für das Wohl dieses Volkes opfern werde."

Die Opposition hatte an diesem Tag zu Protesten unter dem Motto "Freitag der Rettung" aufgerufen. Salih wiederum holte seine Anhänger unter der Parole "Freitag der Solidarität" auf die Straße.

Vertreter von Regierung und Opposition sollen sich nach BBC-Informationen getroffen und darauf geeinigt haben, eine Konfrontation zu vermeiden.

Vor zwei Wochen hatten Heckenschützen des Regimes in eine Menge von Salih-Gegnern geschossen und Dutzende Menschen getötet. Insgesamt starben bei den Angriffen auf die Proteste bislang knapp 100 Menschen, über 1000 weitere wurden verletzt.

Der Präsident ist seit 32 Jahren an der Macht. Unter dem Druck der seit etwa sieben Wochen anhaltenden Proteste hat Salih zuletzt Zugeständnisse in Aussicht gestellt, den von der Opposition geforderten sofortigen Rücktritt aber abgelehnt. Westliche Staaten und das benachbarte Saudi-Arabien äußerten sich besorgt, dass bei einem Rückzug des Präsidenten ein Machtvakuum entstehen könnte, von dem die im Land aktive Extremisten-Gruppe Al-Qaida profitieren könnte.