Die neu gegründete, sogenannte Libyen-Kontaktgruppe hat angesichts der anhaltenden Kämpfe eine politische Lösung für das nordafrikanische Land verlangt. Zum Abschluss ihres ersten Arbeitstreffens im Golfstaat Katar forderte das Gremium Machthaber Muammar al-Gadhafi zum Rücktritt auf. Gadhafi habe all seine Legitimität verloren, hieß es zur Begründung. Sein Verharren an der Macht sei "für jede Lösung der Krise" eine Bedrohung.

Die Kontaktgruppe koordiniert den politischen Umgang mit dem Regime Gadhafis. An dem Treffen in Katars Hauptstadt Doha nahmen die Vertreter von mehr als 20 Staaten und internationalen Organisationen teil, darunter auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch der Nationale Übergangsrat von Libyens Aufständischen war mit einer Delegation vertreten – er ist bislang nur von Frankreich, Italien und Katar offiziell anerkannt. Im Abschluss-Kommuniqué bezeichneten die Teilnehmer die Übergangsregierung aus der ostlibyschen Stadt Bengasi aber als "legitimen Gesprächspartner".

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Zu der Kontaktgruppe gehören Staaten wie Frankreich und Großbritannien, die von Anfang an beim Militäreinsatz gegen Gadhafis Armee dabei waren. Beide Regierungen sind mit dem Verlauf der Nato-Mission in Libyen wenig zufrieden. Später kamen Schweden oder Italien hinzu, aber auch Länder wie Deutschland und die Türkei, die an der Operation "Vereinte Schutzmacht" nie teilnehmen wollten. Auch die Gadhafi-freundliche Afrikanische Union gehört dazu. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung über eine Flugverbotszone in Libyen im UN-Sicherheitsrat enthalten – wie Indien, Brasilien, China und Russland. Entsprechend schwer war es jetzt in Doha, zu einer einheitlichen Meinung zu kommen.

Die Kontaktgruppe forderte einen sofortigen Waffenstillstand sowie den Rückzug der Gaddafi-Truppen aus Städten wie Misrata. Eine politische Lösung sei der "einzige Weg, um Libyen dauerhaften Frieden zu bringen", hieß es. Zudem sprachen sich die Delegierten dafür aus, die Einrichtung eines Hilfsfonds zur Unterstützung der Rebellen zu prüfen.

Die Aufständischen hatten vor Beginn des Treffens Forderungen an die Staatengemeinschaft gestellt: Sie verlangen 1,5 Milliarden Dollar Hilfszahlungen, um die Bevölkerung in den von Aufständischen kontrollierten Gebieten zu versorgen. Gegenleistung für die humanitäre Hilfe könnten Öllieferungen sein, sagte ein Sprecher des Nationalrats. Zudem verlangen die Aufständischen, dass die Nato rigider als bisher gegen Gadhafis Militär vorgeht.

Internationale Truppen zerstörten bei ihren Einsätzen in Libyen am Mittwoch zwölf Panzer nahe dem Ort Zintan. Nach Angaben der Nato legten Kampfbomber südlich von Syrte auch einen Munitionsbunker in Trümmer. Nato-Flugzeuge hätten 159 Einsätze geflogen, darunter 60 Kampfeinsätze, hieß es. Zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern hätten in Libyen landen dürfen.